Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 31.10.2017


Osttirol

Ein Stück Lienzer Geschichte endet: Papier Geiger sperrt zu

Die Papierhandlung Geiger in der Lienzer Innenstadt sperrt mit Jahresende zu. Ihre Geschichte geht bis ins 19. Jahrhundert zurück.

© OblasserBürobedarf aller Art, Papier- und Schulwaren, Kalender, Geschenke und nicht zuletzt Bücher: All das gibt es bei Papier Geiger nur noch bis 5. Jänner 2018 zu kaufen. Dann sperrt das Geschäft zu.Foto: Oblasser



Von Catharina Oblasser

Lienz – Offizieller letzter Öffnungstag ist der 30. Dezember 2017. Bis zum 5. Jänner 2018 gibt es noch einen letzten Abverkauf. Dann schließen sich die Türen des renommierten Geschäfts „Papier Geiger“ in der Lienzer Andrä-Kranz-Gasse endgültig. Damit ist ein weiteres Stück Handelsgeschichte in Lienz zu Ende.

Schon 1974 hatte die Kärntner Bürobedarf-Firma Strein das Geschäft nach dem Tod von Willi Geiger übernommen. Die Geschäftsbezeichnung „Papier Geiger“ wurde beibehalten. Nun will sich das Unternehmen Strein, das seinen Hauptsitz in Villach hat, neuen Geschäftsfeldern zuwenden, sagt Erhard Strein: „Eines unserer Standbeine war der Versandhandel. Das haben wir nun aufgegeben. Wir konzentrieren uns in Zukunft auf die Immobilienbranche.“ Deshalb würden die Geschäfte in Lienz, aber auch in Klagenfurt geschlossen. In Lienz verlieren acht Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihren Job, darunter ein Lehrling. „Wir bemühen uns sehr, für den Lehrling einen neuen Platz zu finden“, meint Erhard Strein.

Die Konzentration auf eine andere Branche ist allerdings nicht der einzige Grund für die Schließung in Lienz. „Die ganzjährige Fußgängerzone ist für uns nicht sehr geschäftsfreundlich“, meint Erhard Strein. Auch die Tatsache, dass in der Lienzer Innenstadt gleich zwei neue Einkaufszentren – gegenüber vom Bahnhof und am Ende der Messinggasse – geplant sind, spiele eine Rolle.

Die Ursprünge der Papierhandlung Geiger gehen bis ins 19. Jahrhundert zurück, wie in „Lienz – Das große Stadtbuch“ von Meinrad Pizzinini (erschienen 1982) nachzulesen ist: und zwar im Zusammenhang mit Johann Georg Mahl, der 1871 die erste Druckerei in Osttirol gegründet hatte. „Bücher, Schreibwaren etc. führte auch J. G. Mahl in dem gleichzeitig mit der Druckerei gegründeten Geschäft, aus dem die Buchhandlung Geiger hervorging“, ist auf Seite 350 zu lesen.

Mit der Schließung von Papier Geiger ist das dritte von vier Geiger-Unternehmen in Lienz Geschichte, weiß Rober­t Geiger sen. zu berichten. „Es gab den Lebensmittel­einzelhandel am Hauptplatz 12. Außerdem den Lebensmittelgroßhandel, der einen Stützpunkt am Bahnhofs­areal hatte: dort, wo jetzt das Altstoff-Sammelzentrum ist.“ Und eben das Papiergeschäft. Bleibt noch der „Textil Geiger“, ebenfalls in der Lienzer Innenstadt, mit 15 Mitarbeitern, den Robert Geiger jun. führt. „Wir sind die Letzten“, meint Geiger sen. mit gewisser Wehmut.

Das „Papier Geiger“-Haus gehört dem Südtiroler Sport- und Textilunternehmen Oberrauch. Welche Pläne Oberrauch mit dem bald leer stehenden Geschäftslokal hat, ist noch offen.