Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 14.11.2017


Bezirk Reutte

„Lech Funding Contest“ feiert Gewinner

Acht Gewinner freuten sich nach einem intensiven Hearing über die Markteinschätzungen, Netzwerke, Vertriebsunterstützung und teils monetäre Hilfe, die Henrik Wentzler den Jungunternehmern in Aussicht stellt.

© Mittermayr Helmut



Von Helmut Mittermayr

Höfen – Eine selten entspannte Atmosphäre prägte die Präsentation der Gewinner des ersten Tiroler Lech Funding Contest. Acht „Ideensprüher“ wurden im Haus der Aromapflege in Lechaschau Samstagabend der Öffentlichkeit präsentiert. Und die Projekte, die teils noch nicht publik gemacht werden können, reichten von handfesten Unternehmensideen bis hin zu altruistischen, der Allgemeinheit dienlichen Konzepten. Wer erwartet hatte, dass großflächige Schecks in die Höhe gehalten würden, lag falsch. Die eigentliche Arbeit beginne erst jetzt, hieß es: Mit allen Hearingkandidaten wurden ausführliche Expertengespräche über mögliche nächste Umsetzungsschritte vereinbart.

Was Initiator Henrik Wentzler und kdg-campus-Chef Michae­l Hosp als Umsetzungspartner des Contest selbst am meisten verblüffte: „Bei allen Hearingkandidaten und -kandidatinnen standen zwei Anliegen ganz oben auf ihrer Liste: ein ehrliches und unverblümtes Feedback und der Wunsch nach einer Mentoringpartnerschaft.“ Der Samstag gestaltete sich für alle Beteiligten „wie eine einzigartige Energie- und Kreativitätstankstelle“, sagte Michael Hosp bei der Jurynachbesprechung. „Wirklich unglaublich, welches Potenzial an guten Ideen dieser Contest ans Tageslicht gebracht hat.“

Tatsächlich übertraf die Resonanz auf die Ausschreibung die kühnsten Erwartungen des Projektteams. „Wir haben 47 Geheimhaltungsvereinbarungen unterfertigt. Davon haben es dann acht ins gestrige Finale geschafft“, erklärt Berggut-Gaicht-Prokuristin Sandra Bischof, die den Contest organisatorisch abwickelte und neben kdg-medialog-Geschäftsführer Dominik Friedle und Henrik Wentzlers Sohn Finn auch der Vorjury angehörte. Man habe in diesen zwei Monaten mehrere dicke Mappen an Konzepten gesichtet und bewertet. Mit etlichen Bewerbern, die es nicht mehr ins Finale schafften, werde man zudem noch Feedbackgespräche führen und sie gegebenenfalls mit Partnern aus dem firmeneigenen Netzwerk zusammenbringen, weiß Bischof.

Im Folgenden kurz die acht „Tiroler Lech Funding Contest“-Projekte, die es ins finale Hearing geschafft haben: Sandra Moosbrugger-Koch und Johannes Leismüller mit ihrem Projekt Werkhaus: ein Konzept für das erste FabLab in der Region (siehe Kasten). Djuro Iljazovic mit Anima Bad und Badmöbel: Er verbindet alte Fertigungstechniken mit modernsten Baumaterialien. Clemens Pfefferkorn, Ulrich Huber, Stefanie Graber mit Almut: Das Kreativ-Trio will Design-Lampenschirme aus Almheu auf den internationalen Markt bringen.

Weiters Florian Klotz mit Wendefeuer: ein Beratungsansatz mit der Zielsetzung, Unternehmen und Institutionen bei ihren Energiewende-Vorhaben zu begleiten. André Schütter mit Street Style: ein stationäres Vertriebskonzept für ein lokales Streetwear-Label. Armin Sauerwein mit dem IT-Beratungshaus: ein Unternehmenskonzept, das sich auf regionale Anforderungen fokussiert. Thomas Huber mit Bergbox: ein stylisches und trotzdem leistbares Wohncontainer-Konzept für die Bergregion. Pfarrer Otto Walch mit Sunhydrostore: ein (Energie-)Nutzungskonzept für einen Zweckbau.

Die ebenso interessierten wie kritischen Fragen der Jury bildeten übrigens das Herzstück des Hearings. Denn daraus ergab sich dann auch das finale Feedback. „Was Besseres kann einem ja nicht passieren“, meinte etwa Kandidat Florian Klotz aus Holzgau hinterher. „Denn jede Frage, auf die man noch keine Antwort weiß, führt einem vor Augen, woran man noch denken und arbeiten muss.“ Und Pfarrer Walch meinte gar euphorisch: „Durch diesen Contest hab ich mich jetzt endlich aufgeschwungen und niedergeschrieben, was mir schon so lang als Idee im Kopf herumspukt.“

Ein zweiter Tiroler Lech Funding Contest wird stattfinden, der Termin ist noch nicht fixiert. „Zuvor werden auch wir nachdenken, was wir beim nächsten Mal besser machen möchten.“ Der kdg campus wird wieder Vorbereitungsworkshops anbieten.