Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 06.12.2017


Exklusiv

Ministerium schickt Tirols Finanzpolizeichef in Karenz

Chef der Finanzpolizei steht in Diensten der Bergbahnen Pillersee von Toni Pletzer. Jetzt lässt er sich karenzieren. Doch auch Mobbing-Anzeige liegt vor.

© Thomas BöhmDie Finanzpolizei erhält einen neuen Chef, Thomas Wörgötter macht privatwirtschaftliche Pause.



Von Max Strozzi und Peter Nindler

Innsbruck, Wien – Dass der langjährige Chef der Finanzpolizei für Tirol und Vorarlberg, Thomas Wörgötter, zuletzt im Nebenjob zum Prokuristen für die einflussreiche Tiroler Unternehmensgruppe Pletzer aufgestiegen ist, sorgte für Kritik. Bekanntlich übernahm Pletzer die Bergbahnen Pillersee, Wörgötter war nicht unwesentlich an diesem Deal beteiligt. Jetzt ist er dort Prokurist. In seiner Freizeit, wie er noch vor einer Wochen gegenüber der TT erklärt hatte.

Fragen warf überdies die Rolle des Finanzministeriums auf, zumal es keine Unvereinbarkeit darin sah, dass der Finanzpolizeichef bei einem Unternehmen anheuert, dem er eigentlich auf die Finger schauen sollte. Schließlich legt das Beamten-Dienstrechtsgesetz ausdrücklich fest, dass ein Beamter keine Nebenbeschäftigung ausüben darf, „die die Vermutung seiner Befangenheit hervorruft“.

Doch dem nicht genug: Der oberste Finanzpolizist firmiert seit Längerem bei der Wirtschaftskammer nämlich als „Thomas Wörgötter, Unternehmensberatung“. Das sei keine Firma, sondern irgendwie müsse er seine Leistungen schließlich verrechnen, rechtfertigt sich Wörgötter.

Und wie vergangene Woche bekannt wurde, soll der Finanzpolizeichef mehrere Mitarbeiter, die wenig bis gar keine Krankenstandstage aufweisen, mit einem Wellnesstag belohnt haben – in einem Hotel in Hopfgarten, das ebenfalls zur Pletzer-Gruppe gehört. Auf Anfrage der TT verwies das Finanzministerium darauf, „dass wir zu privaten Angelegenheiten unserer Mitarbeiter grundsätzlich keine Stellungnahme abgeben“. Wie äußert sich Wörgötter selbst? „Das stimmt so nicht, es handelt sich um eine betriebliche Gesundheitsvorsorge.“ Mehr wollte er dazu nicht sagen.

Gestern folgte schließlich die Wende. Wörgötter werde auf seinen eigenen Wunsch hin für zwei Jahre ohne Bezüge karenziert, teilte das Finanzministerium mit. „Dieser Schritt war bereits länger geplant und wir und wollten den Aktenlauf abwarten“, erklärte das Ministerium. Das sei der Grund, weshalb man keine Unvereinbarkeit festgestellt habe. Wörgötter steht ein Rückkehrrecht zu, laut Dienstrecht verliert man aber nach sechs Monaten Karenzierung seine Funktion. Das bedeutet: Nach einem halben Jahr in Karenz hat er keinen Rechtsanspruch darauf, wieder Leiter der Finanzpolizei zu werden.

Das Überraschende dabei: Bis Dienstag erwähnten weder Wörgötter noch das Ministerium, dass eine Karenzierung geplant sei. Dass diese kurzfristig wegen der öffentlichen Diskussion bzw. der TT-Recherchen erfolgt sei, dementierte das Ministerium umgehend.

Unabhängig davon rumort es schon seit Wochen bei der Finanzpolizei West. Und für den nun karenzierten Chef tut sich eine weitere Front auf. Und zwar eine innerbetriebliche. Wie aus zuverlässiger Quelle gegenüber der TT bestätigt wurde, liegt eine Mobbing-Anzeige eines Mitarbeiters vor. Die Antwort des Ministeriums ist wenig aufklärend: Dazu könne man keine Stellungnahme abgeben, heißt es.