Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 07.12.2017


Tirol

Studie zu Skigebieten „ist voller Fehler“

Eine Studie, die Tiroler Skigebieten eine schlechte Umweltbilanz attestiert, hielt einer Prüfung nicht stand.

© BöhmDie Skigebietsstudie ignoriere Maßnahmen zur Landschaftssanierung, kritisiert die Expertin.Foto: Böhm



Wien – Eine Studie zum ökologischen Fußabdruck von Skigebieten sorgte im heurigen Frühjahr für große Aufregung. Der bayerische Landschafts­ökologe Alfred Ringler bewertete dabei 1000 Skigebiete mittels eines selbst erstellten Eingriffsindex – also unter anderem was den Flächenverbrauch, Rodungen, Planierungen, Erosionsflächen und Beschneiung betrifft. Besonders schlecht kamen dabei große Tiroler Skigebiete wie Sölden und Ischgl weg. „Die methodische Vorgangsweise der Studie hält einer wissenschaftlichen Analyse nicht stand“, erklärt Ulrike Pröbstl-Haider von der Wiener Universität für Bodenkultur (BOKU).

Die BOKU-Professorin lässt nach einer Prüfung im Auftrag des Fachverbandes der Seilbahnwirtschaft kein gutes Haar an Ringlers Studie, die demnach „eine völlig ungerechtfertigte Diskreditierung von Skigebieten“ darstelle, die dem „Verbraucher ein komplett falsches Bild“ vermittle. Zu groß seien die Fehlerquellen, zu unscharf die Bewertungsmethoden des Landschaftsökologen, sagte die Wissenschafterin bei einer Pressekonferenz in Wien.

Unter anderem habe Ringler Naturseen als künstlich angelegte Speicherseen für die Beschneiung dargestellt. Diese Fehler seien passiert, weil in der Studie Skigebiete mit Hilfe von Luftaufnahmen analysiert wurden. Eine Untersuchung vor Ort habe es nicht gegeben. Anhand von Luftaufnahmen könne man aber nicht unterscheiden, ob eine Rodung aufgrund von Borkenkäferbefall oder Pistenbau vorliegt. Einige der kritisierten Rodungen hätten sich sogar als Windwurf herausgestellt. „Das alles sind nur einzelne Beispiele für fehlerhafte Grundlagen, die sich durch die Studie ziehen“, sagt Pröbstl-Haider.

Einige grobe Mängel in der Studie sind jedoch auch ohne wissenschaftliche Analyse offensichtlich. Dass der Rettenbachferner, in das Tiroler Unterland verlegt und mit Going-Hopfgarten zu einem Skigebiet verknüpft wurde, sorgte bereits nach der Studienpräsentation für Kopfschütteln (die TT berichtete).

Pröbstl-Haider wolle nun auch Kontakt mit der Umweltschutzorganisation WWF aufnehmen, die die Studie im Frühjahr publizierte, um eine Klarstellung anzuregen.

Konsumenten empfiehlt sie die Wahl von Skigebieten mit überprüftem Umweltmanagement sowie einen Online-Rechner, wie jenen der TU Graz. „Dieser ergibt für einen einwöchigen Skiurlaub in den österreichischen Alpen und einer Anreise mit dem Dieselfahrzeug nur knapp ein Drittel des CO2-Ausstoßes, wie für einen einwöchigen Thailand-Urlaub samt Flug nach Bangkok“, sagt Pröbstl-Haider. (ecke)




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