Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 09.12.2017


Exklusiv

Tiroler lässt in Finanzwelt aufhorchen

Der Tiroler Florian Prucker ist Mitgründer des größten deutschen digitalen Vermögensverwalters. Jetzt will er in Österreich expandieren.

Florian Prucker: "Wir sehen in Österreich einen attraktiven Markt, weil es eine solche Anlagemöglichkeit noch nicht gibt."

© Scalable CapitalFlorian Prucker: "Wir sehen in Österreich einen attraktiven Markt, weil es eine solche Anlagemöglichkeit noch nicht gibt."



München — Der gebürtige Tiroler Florian Prucker mischt mit seinem jungen Start-up-Unternehmen gerade kräftig in der digitalen Finanzszene mit und will nun in Österreich expandieren. Gemeinsam mit drei weiteren Partnern hatte der Innsbrucker, der u. a. jahrelang bei Goldman Sachs gearbeitet hat, vor drei Jahren in Deutschland das Unternehmen Scalable Capital ins Leben gerufen, einen digitalen Vermögensverwalter. Mit Hilfe des 2014 gestarteten Robo-Advisors — ein Kunstwort aus Roboter und Advisor (Berater) — werden Kundengelder automatisiert in Indexfonds angelegt, so genannten ETF, die einen Börsenindex wie beispielsweise den deutschen Aktienindex DAX nachbilden, erklärt der Tiroler. „Wir sind kein Vermittler, sondern ein Finanzdienstleistungsinstitut mit einer Erlaubnis der deutschen Finanzmarktaufsicht BaFin", sagt Prucker. Derzeit verwalte Scalable Capital fast 600 Mio. Euro für rund 20.000 Kunden aus Deutschland, Großbritannien und Italien. Ziel sei es, im kommenden Jahr die Milliarden-Marke an Anlegergeldern zu knacken.
"In Österreich gibt es uns bereits seit Juli 2016. Jetzt haben wir das Angebot in Österreich nochmal ausgeweitet. Wir haben den Anmeldeprozess optimiert und bieten neben einem österreichischen Kundenservice ab sofort auch ein eigenes Steuerreporting. Wir sehen in Österreich einen attraktiven Markt, weil es bisher noch keine Anlagemöglichkeit in dieser Form gibt", meint der 34-jährige Tiroler. Im Rahmen des grenzüberschreitenden Dienstleistungsverkehrs, dem EU-Pass, sei es möglich. Mit der Zulassung durch die deutsche Bankaufsicht auch in Österreich als Finanzdienstleister aufzutreten.
Partnerbank für Österreich sei die Baader Bank in Deutschland, dort würden auch Konto und Kundendepot geführt. Für die Einkommensteuererklärung stelle die Bank ein österreichisches Steuerreporting bereit, erklärt der Firmengründer. 0,75 % des Vermögens verrechne Scalable Capital als Gebühr, für die ETF seien weiters durchschnittlich etwa 0,25 % im Jahr fällig. %) „Ausgabeaufschläge oder andere Gebühren gibt es darüber hinaus nicht", sagt Prucker.
Von sich hören machte das Start-up im Sommer, als der schwergewichtige Vermögensverwalter Blackrock ankündigte, 30 Millionen Euro in das Start-up zu investieren. Prucker: „Damit wollen wir das B2B-Geschäft ausbauen und auch Banken Lösungen anbieten, um unseren Service zu integrieren." (mas)