Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 20.12.2017


Bezirk Landeck

Absage an Skiverbindung mit Langtaufers

Die Südtiroler Landesregierung hat die Skiverbindung Kaunertal – Langtaufers abgelehnt. Die Projektbetreiber prüfen weitere Schritte.

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© Landesamt für Landesplanung



Von Matthias Reichle

Kaunertal, Langtaufers – „Nach Abwägung aller Vor- und Nachteile sind wir zum Ergebnis gekommen, dass die Nachteile überwiegen“, betonte der Südtiroler Umweltlandesrat Richard Theiner in einer ersten Stellungnahme. In ihrer Sitzung behandelte die Südtiroler Landesregierung gestern die geplante Skiverbindung zwischen dem Kaunertal und Langtaufers – und erteilte dem Vorhaben eine Absage.

Nach Prüfung der Unterlagen sei man zum Ergebnis gelangt, „dass das vorliegende Projekt nicht genehmigt werden kann“, so Theiner weiter. „Die negativen Folgen für Natur und Landschaft werden durch positive Aspekte wie die Verlängerung der Wintersaison und die Schaffung von Arbeitsplätzen nicht wettgemacht.“ Man erwarte sich nicht nur negative Auswirkungen auf die betroffenen Bereiche von Pisten auf Bahntrassen, sondern indirekt auf das ganze Tal, so die Begründung. Darüber hinaus seien die positiven Auswirkungen auf eine nachhaltige Entwicklung des Wirtschaftsraumes Langtaufers/Oberer Vinschgau nicht ausreichend dargestellt worden, erklärte auch der Südtiroler Landeshauptmann Arno Kompatscher.

Die Oberländer Gletscherbahn AG hatte einen Zusammenschluss mittels zweier Kabinenbahnen geplant. Sie sollten vom Talboden von Langtaufers in der Gemeinde Graun bis hinauf zum Karlesjoch – in unmittelbare Nachbarschaft der Bergstation des Kaunertaler Gletschers – führen.

Die Landesregierung schloss sich mit ihrer Entscheidung den negativen Gutachten des Südtiroler Umweltbeirates und der Bewertung des Landesamtes für Landesplanung an.

Für den Geschäftsführer der Oberländer Gletscherbahnen AG Paul Jakomet kam der Beschluss gestern doch „überraschend“, wie er sagte. Er hatte die schriftliche Begründung aber noch nicht in den Händen. Die Aktionäre seien aufgebracht, betonte er gegenüber der Tiroler Tageszeitung. „Wir warten ab, wie die Begründung ausschaut“, erklärte er. Dann werde man rechtliche Schritte prüfen. Langtaufers sei das strukturschwächste Tal in Südtirol. „Die Aktionäre wollten viel Geld in die Hand nehmen, um ihren Kindern eine Zukunft zu ermöglichen.“ Es werde schwierig, ihnen zu erklären, warum das Projekt abgelehnt wurde. Es gebe kein Naturschutz- oder Natura-2000-Gebiet in dem Bereich.

Enttäuscht zeigte sich auch der Geschäftsführer der Kaunertaler Gletscherbahnen Eugen Larcher. „Das Projekt wäre für beide Täler befruchtend geworden. Ich bin enttäuscht und verwundert.“ Er hatte sich eine Belebung für das ganze Jahr erhofft.