Letztes Update am Di, 02.01.2018 06:45

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Tirol

Tiroler Branchen im Stimmungshoch

Angesichts der guten Konjunkturdaten blicken die Tiroler Branchen optimistisch ins Jahr 2018, wie ein TT-Rundruf bei den Spartenobmännern ergab. Vor allem die Erwartungen in die neue Regierung sind hoch.

© SandozDie Wirtschaft in Tirol hat weiter an Fahrt aufgenommen. Vor allem die Digitalisierung sehen die Branchen als größte Herausforderung.



Von Hugo Müllner und Stefan Eckerieder

Innsbruck – Nach mageren Jahren infolge der weltweiten Wirtschaftskrise, hat die Wirtschaft heuer erstmals deutlich an Schwung gewonnen. Die wirtschaftliche Entwicklung schlägt sich auch am Tiroler Arbeitsmarkt nieder: Die Arbeitslosenquote ist von Jänner bis September im Vergleich zum Zeitraum des Vorjahres im Durchschnitt um 0,61% gesunken. Die Beschäftigung stieg im selben Zeitraum um 6411 Personen oder 2,7 Prozent auf 243.306 Personen, wie Zahlen der Tiroler Wirtschaftskammer zeigen. Die WK rechnet mit einem realen Wirtschaftswachstum für Tirol im Jahr 2017 von rund 2,5 Prozent. Und auch für 2018 sind die Tiroler Betriebe optimistisch.

Industrie: Die Tiroler Industrie war einer der Haupttreiber des heimischen Aufschwungs. Alleine von Jänner bis Juli 2017 stieg die abgesetzte Produktion der Tiroler Industrie (inklusive Bauindustrie) um rund 400 Millionen auf 6,1 Milliarden Euro im Vergleich zum selben Zeitraum im Vorjahr. Die gute Stimmung in der Branche soll auch ins Jahr 2018 mitgenommen werden, sagt Spartenobmann Hermann Lindner. „Wir gehen von einer guten Auslastung der Industriebetriebe aus.“ Dennoch hofft die Sparte auf Konjunkturanreize durch die Politik. „Es geht um Investitionsanreize. Denn die gute Stimmung könnte länger anhalten und das sollte zu mehr Investitionen führen“, erklärt Lindner. Die Betriebe würden vor allem in die Digitalisierung investieren. Unterstützung erwarte man sich auch bei der Ausbildung von Fachkräften. „Für die Herausforderungen der Digitalisierung brauchen wir auch gute Mitarbeiter mit neuen Qualifikationen“, sagt der Industrielle.

Tourismus: Auch im Tourismus ist die Stimmung gut, berichtet Spartenobmann Franz Hörl. Von Jänner bis September 2017 wurden über 500.000 Nächtigungen mehr erzielt als im Vergleichszeitraum des Vorjahres (40,8 Millionen im Vergleich zu 40,3 Millionen). Ins neue Jahr gehe die Branche optimistisch. „Die Senkung der Mehrwertsteuer auf zehn Prozent sollte bald umgesetzt werden und auch bei der Arbeitszeitflexibilisierung gibt es Bewegung. Wir sind auf dem richtigen Weg“, so Hörl.

Handel: Den Handel wird auch 2018 weiter das Thema Digitalisierung beschäftigen, meint Spartenobmann Martin Wetscher. „Für den Handel ist es sicher eine der größten Herausforderungen, sich der Digitalisierung zu stellen und diesen Wirtschaftszweig so attraktiv zu gestalten, dass die Kunden uns weiter gerne frequentieren“, sagt Wetscher. Hier gelte es vor allem, Services anzubieten, die der Onlinehandel nicht bieten könne. „Es gilt, sich einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen, sonst bleibt man über.“ Der Handel profitiere aktuell auch von den guten Rahmenbedingungen im Tourismus. Im Großen und Ganzen gehe die Branche sehr positiv ins neue Jahr.

Banken: Das Thema der Stunde heißt auch bei den Banken „Digitalisierung“. „Wichtig wird sein, unseren Kunden weiterhin einen Mehrwert zu bieten. Die Kunden sind heute besser informiert und anspruchsvoller“, sagt Spartenobmann Harald Wank. Zudem werde auf die Branche ein hoher administrativer Aufwand bei der Umsetzung neuer Regulatorien zukommen, meint der Branchensprecher. Angesichts der guten Konjunkturdaten würden die Geldhäuser trotz Niedrigzinsen optimistisch in das Jahr 2018 blicken. „Das wirtschaftliche Umfeld ist positiv“, sagt Wank. Eine Änderung der Zinspolitik erwartet er dennoch erst gegen Ende des Jahres.

Handwerk und Gewerbe: Durchwachsen war das vergangene Jahr 2017 für die Sparte Handwerk und Gewerbe in Tirol. „Wir fahren zwar nicht auf dem Pannenstreifen, aber auf der Überholspur sind wir auch nicht“, meint Walter Bornett, Direktor der KMU-Forschung Austria. Laut Georg Steixner und seinem Nachfolger als neuer Spartenobmann für Gewerbe und Handwerk in der Wirtschaftskammer Tirol, Franz Jirka, wird auch im Jahr 2018 der Nachwuchs- und Facharbeitermangel eine der größten Herausforderungen für die Betriebe sein. Darüber hinaus sei die Erwartungshaltung groß, dass die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen die Regionalität besonders unterstützen. Auch die Ankündigung der neuen Regierung lasse hoffen, dass die Steuer- und Abgabenquote, aber auch die Bürokratie spürbar reduziert werden, damit Tirols Kleinst-, Klein- und Mittelbetriebe wieder mehr Zeit zum Wirtschaften haben.

Transport und Verkehr: Grundsätzlich zufrieden mit dem vergangenen Jahr zeigt sich Josef Ölhafen, Spartengeschäftsführer für Transport und Verkehr in der Wirtschaftskammer Tirol. „Die gute Wirtschaftsentwicklung hat auch den Unternehmen in der Verkehrsbranche gut getan“, sagt Ölhafen. Die Auftragslage sei zufrieden stellend gewesen, wenngleich der internationale Wettbewerb dafür gesorgt habe, dass die Rendite noch immer unter den betriebswirtschaftlichen Notwendigkeiten liegen würde. Als größte Herausforderung für das Jahr 2018 sieht Ölhafen den Mangel an qualifizierten Mitarbeitern und die Block­abfertigungen und Dosiersysteme an den Grenzübergängen. „Das kann auf Dauer nicht der Weisheit letzter Schluss sein“, so Ölhafen.

Information und Consulting: Auch für die Unternehmen im Bereich Information und Consulting sei trotz vieler Widrigkeiten das vergangene Jahr für die Unternehmer und Unternehmerinnen der Sparte IC kein Schlechtes gewesen, meint Spartenobmann Dietmar Hernegger. „Aber wie so oft – es gibt noch Luft nach oben. Erstmals seit langem ist ein deutliches Signal erkennbar, dass die neu gewählte Regierung den Wert der Wirtschaftstreibenden als so wichtig erachtet wie wir uns das schon lange gewünscht haben und ob unserer ausgezeichneten Qualifikationen auch verdienen“, betont Hernegger.