Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 14.01.2018


Tirol

Arbeitsbedingungen im Tourismus: „Arbeit bleibt Arbeit“

Unbezahlte Überstunden, kaum Pausen: Ein Koch hängt die Schürze medienwirksam an den Nagel. Tirols Touristiker sehen „Einzelfall“.

© iStockBei vielen Tiroler Gasthäusern im ländlichen Raum hat es sich ausgezapft.



Von Alexandra Plank

Innsbruck — Die Auffassungen, wie gute Arbeitsbedingungen im Tourismus aussehen, gehen weit auseinander. Rund um den Jahreswechsel hat ein ORF-Beitrag für Aufsehen gesorgt, bei dem ein Koch nicht nur dem Zillertaler Betrieb, sondern gleich der ganzen Branche den Rücken kehrte. Überstunden seien nicht bezahlt worden, Pausen nicht vorgesehen gewesen.

Hörl sauer

Franz Hörl, Chef des Tiroler Wirtschaftsbundes, ärgert sich darüber, dass „wieder einer herausgepickt und die ganze Branche in Geiselhaft genommen wird". Hörl spart auch nicht mit einer Frontalattacke auf die Gewerkschaft: „Wer in seinem Job weiterkommen will, der darf nicht darauf warten, dass ihn das Gewerksschaftssystem nach oben trägt. Der muss selbst Leistung und Arbeitswillen zeigen." Arbeit müsse Arbeit bleiben, so Hörl.
Im Gespräch mit der Tiroler Tageszeitung weist er darauf hin, dass der Koch mit jenem Betrieb, in dem er zuletzt tätig war, keine arbeitsrechtliche Auseinandersetzung geführt habe.

Gewerkschaft kritisiert neue Ruhezeiten-Regelung

Laut Tirols ÖGB-Chef Phili­p Wohlgemut­h ist das ein üblicher Vorgang. Es gebe viele Beschwerden über die Arbeitsbedingungen im Tourismus in Tirol, die meisten könnten mit Beratung der Gewerkschaft von den Betroffenen mit den Unternehmern geklärt werden.
„Die Unternehmer tun immer so, als ob wir unsere Kritik an den Arbeitsbedingungen an der Uhrzeit festmachen würden. Das sind Nebelwerfer", so Wohlgemuth. Der Gewerkschaft sei klar, dass im Tourismus Arbeitszeiten auf die Abendstunden und auf die Wochenenden fallen. „Wichtig ist aber, dass es Erholungszeiten gibt. Hier hat die Bundesregierung einen fatalen Schritt gesetzt. Die Ruhezeit beträgt künftig nicht mehr elf, sondern nur noch acht Stunden."
Der Gewerkschaft liege daran, mehr Einheimische in die Tourismusbranche zu bringen. Dazu müsse diese attraktiver werden, nicht nur hinsichtlich der Arbeitsbedingungen, sondern auch was die Möglichkeiten zur Weiterbildung betrifft. Es sei nicht wahr, dass die meisten Betriebe die Mitarbeiter über dem Kollektiv bezahlen würden. „Das gilt vielleicht für Spitzenköche, aber nicht für eine Servierkraft."

Hotelier ortet Versäumnisse in der Branche

Alfons Parth, Hotelier aus Ischgl, sieht auch Versäumnisse in der Branche. „Manche haben zu spät gelernt, dass die Arbeitskräfte unser größtes Kapital sind." Er glaubt, dass diese Betriebe die Zeche zahlen. „Wer nicht gut mit den Mitarbeitern umgeht, bekommt niemanden. Die Leute können sich die Arbeitsstelle aussuchen."