Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 14.02.2018


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3,5 Milliarden Euro Umsatz: Swarovski hat Lust auf Übernahmen

Der Swarovski-Konzern legte beim Umsatz auf 3,5 Mrd. Euro zu. In Wattens fielen 200 Stellen weg, Tyrolit und die Optik machten dies wett. Heuer wird in Wattens die neue Manufaktur eröffnet, 2019 die neue Kristallfabrik.

© SwarovskiIm Herbst 2019 soll die neue „Kristallfabrik der Zukunft“ in Wattens den Betrieb aufnehmen.



Von Alois Vahrner

Wattens – Das Vorjahr habe für Tirols großen Industriekonzern Swarovski ein „positives, aber auch sehr unterschiedliches Bild“ geboten, sagte Konzernsprecher Markus Langes-Swarovski gegenüber der TT. Der Gruppenumsatz legte um 3,8 Prozent von 3,37 auf 3,5 Mrd. Euro zu. Den relativ kleinsten Zuwachs gab es im Kristallbereich mit plus 3,8 Prozent von 2,6 auf 2,7 Mrd. Euro. Der Schleifmittelhersteller Tyrolit meldete einen Zuwachs um 5,5 Prozent auf 670 Mio. Euro, die Swarovski Optik wuchs um 5 Prozent auf 147 Mio. Euro.

Swarovski, dessen Produkte auch in über 2800 Shops in aller Welt verkauft werden, hatte 2017 weiterhin etwa 32.000 Beschäftigte. In Tirol blieb die Mitarbeiterzahl des größten privaten Arbeitgebers im Land in Summe mit 6650 Beschäftigten ebenfalls stabil. In Wattens sei der Personalstand laut Langes-Swarovski allerdings um 200 (vor allem Leiharbeiter) auf 4650 reduziert worden. Grund sei ein 16-prozentiger Volumens-Rückgang bei Kristallkomponenten gewesen, unter anderem Folge der weit geringeren internen Abnahme von Kristall. Viele Swarovski-Trend-Schmuckstücke, wie etwa die Bestseller-Kollektion „Remix“, sind mit weniger Kristall als bisher bestückt. Dies spüre man in Wattens in der Produktion unmittelbar. Um die 200 Stellen, die in Wattens verloren gingen, haben Tyrolit und Swarovski Optik aber im Vorjahr aufgestockt.

Konzernsprecher Markus Langes-Swarovski.
- Swarovski

Nachdem die Ertragskraft in der Kristallsparte im Jahr 2016 deutlich geschrumpft sei, habe man die Wirtschaftlichkeit im Vorjahr „trotz widriger Umstände stark verbessert“, wenn auch noch nicht alle Ziele erreicht worden seien, so Langes-Swarovski. Auf diese Frage werde man heuer und auch in den Folgejahren global einen ganz starken Fokus behalten. Heuer sei das Geschäft mit externen Kunden im Kristallkomponentenbereich hervorragend angelaufen. Langes-Swarovski geht aber weiter von einem „sehr herausfordernden Umfeld“ aus, das immer wieder zu punktuellen Anpassungen führen könne. Man wisse, dass es für die Belegschaft nicht immer einfach sei, mit diesen Unsicherheiten umzugehen. „Wir versuchen Schwankungen und Veränderungen aber für jeden Einzelnen menschlich optimal zu gestalten, wenngleich wir uns stetig verbessern müssen.“

Weiter voll im Laufen sei das mehrjährige, riesige Investitionsprogramm der Swarovski Gruppe in Tirol (bis 2020 in Summe 500 Mio. Euro schwer). Im April werde die neue Kristall-Manufaktur (100 Mitarbeiter) starten, die „Werkstatt des 21. Jahrhunderts“. Im Herbst werde hier erstmals eine große Hausmesse stattfinden. „Dies steht auch sinnbildlich für die weitere Öffnung unserer Unternehmenskultur, wir werden gerade auch in der Manufaktur viel enger mit unseren Kunden an Kristallinnovationen arbeiten“, betont Langes-Swarovski.

Ebenfalls heuer wird ein neues, hochmodernes Bürogebäude als Produktentwicklungs- und Innovationszentrum in Betrieb genommen. Der Campus (hier werden 300 Mitarbeiter tätig sein) solle ohne fixe Arbeitsplatz-Zuteilung rasches, unkompliziertes und projektbezogenes Arbeiten ermöglichen. „Wir müssen bei Projekten dramatisch schneller werden.“ Gerade im Bereich digitales Arbeiten und Technologie suche man 70 Spezialisten.

Im Herbst 2019 werde dann die „Kristallfabrik der Zukunft“ eröffnet, in der mit Ausnahme der Glashütte sämtliche Schritte der Kristall­erzeugung unter einem Dach untergebracht sein sollen, kündigt Langes-Swarovski an. Für diese drei Projekte rollen in Summe 100 Millionen Euro. Ebenfalls geplant ist heuer ab Sommer der Ausbau des Betreuungsangebots für Kinder der Beschäftigten in Wattens von 40 auf über 100 Plätze. Dafür werde man 2,6 Millionen Euro investieren.

Gangschaltung mit Kristallglanz bei BMW.
- Swarovski

Vor Kurzem konnte Swarovski den größten Einzelauftrag in der jüngeren Geschichte an Land ziehen. Dabei wird der Kristallkonzern zum zertifizierten Automobilzulieferer: Für BMW werde man hochwertige Interieur-Ausstattung unter anderem für die Concept-8-Serie liefern, konkret etwa geschliffene Gangwahlhebel sowie ein iDrive-Controller aus Swarovski-Kristall. Dafür sei man seit Kurzem nach IATF 16949 zertifiziert. „Das ist vergleichbar mit dem schwarzen Gürtel und spricht für den höchsten Grad an Professionalisierung“, sagt Langes-Swarovski.

Für die Zukunft herrsche im Konzern vorsichtiger Optimismus. Nachdem man in der Vergangenheit auch einige „Hochrisiko-Projekte“ gewagt und sich auch von einigen verabschiedet habe, werde man künftig nicht nur auf organisches Wachstum setzen. „Wir schließen auch Zukäufe nicht aus.“ Im Visier des Kristallkonzerns dürften bei entsprechender Gelegenheit wohl Unternehmen aus verwandten Branchen stehen.

Plus für Kristallwelten in Wattens

Die vor zwei Jahren für 34 Millionen Euro ausgebauten und im vergangenen Jahr nochmals modernisierten Kristallwelten in Wattens meldeten vor wenigen Tagen den 14-millionsten Besucher seit der Eröffnung im Jahr 1995.

Die Top-3-Besucherländer seien Deutschland, Österreich und Indien. Sehr gut entwickle sich laut Langes-Swarovski auch die Werkstätte Wattens. Hier seien bereits 45 Partnerunternehmen mit rund 180 Mitarbeitern angesiedelt.

Neben Start-ups setze man hier auch auf ein­e gesunde Mischung mit zukunftsfähigen, arrivierten Unternehmen und Anbietern. (va)




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