Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 14.04.2018


Exklusiv

Hospiz-Chef dementiert Hotelverkauf

Florian Werner weist Bericht über Verkauf des Arlberg Hospiz Hotels zurück und will erweitern. Er warnt vor kleinstrukturierter Branche.

© Thomas Boehm / TTDas Arlberg Hospiz Hotel in St. Christoph.



St. Christoph – Das Arlberg Hospiz Hotel in St. Christoph gehört zu den bekanntesten und geschichtsträchtigsten Häusern des Landes. Die Wein-Zeitschrift Vinaria ließ zuletzt die Gerüchteküche brodeln und berichtete ohne konkrete Hinweise oder Angabe von Quellen, dass das Hotel an russische Investoren verkauft werden soll. Florian Werner, Haupteigentümer des Hotels, verweist diese Meldung ins Reich der Märchen. „Wir verkaufen nicht, wir wollen vielmehr erweitern. Mein Ziel ist es zu wachsen, die Effizienz zu steigern und die Saison zu verlängern“, sagt Werner: „Ich weiß nicht, woher diese Gerüchte stammen. Mein Herz hängt an dem Hotel, es steht für 600 Jahre Geschichte.“

„Wir verkaufen nicht. Mein Ziel ist es zu wachsen.“ Florian Werner (Arlberg Hospiz Hotel)
- Dalia Föger

Fakt ist allerdings, dass die Betreibergesellschaft des Hotels in der letzten einsehbaren Bilanz mit Ende 2016 ein negatives Eigenkapital von 3,5 Millionen Euro aufwies. Dies sei unter anderem auch der Grund, weshalb man expandieren wolle, betont Werner. „Wenn man vier Monate im Jahr Geschäft hat und acht Monate keines, kann man keine Wunder vollbringen“, so Werner: „Wir wollen mehr Geschäft in den Sommer bringen. Mit der Errichtung unserer Kunsthalle haben wir den ersten Schritt dazu getan. Wenn ich das Hotel verkaufen wollte, dann hätte ich die Kunsthalle gar nicht gebaut.“

Auf die heimische Hotellerie sieht er aber generell turbulente Zeiten zukommen. „In Tirol sind wir viel zu kleinstrukturiert. Wenn nicht ein Umdenken Einzug hält, auch bei den Banken, werden viele nicht überleben“, warnt Werner – er ist auch Vizepräsident der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV). In 10 Jahren könne man sich an Hotels „zu Tode kaufen“. Investorenmodelle halte er für eine sinnvolle Finanzierungssäule, auch weil Banken aufgrund verschärfter Basel-Vorschriften bei der Kreditvergabe strenger wurden. Auch über seiner Kunsthalle wurden Appartements errichtet und an Anleger verkauft.

Werner fürchtet allerdings, dass „uns die Jugend wegbrechen wird, wenn wir – auch in den Köpfen der Hoteliers – kleinstrukturiert bleiben. Jeder kocht sein Süppchen, auch weil die Tradition eines Familienhotels fest in den Köpfen verankert ist.“ Er würde seinem Sohn unter diesen Umständen den Rucksack eines Hotelbetriebs „nicht übergeben wollen“. (mas)