Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 21.04.2018


Zillertal

Zillertaler Ziegenmilch sorgt für Wirbel

Nach dem Vertragsende zwischen der Sennerei Zillertal und einem Ziegenbauern aus Niederösterreich gehen die Wogen hoch, weil dieser 9000 Liter Milch entsorgen musste.

© dpaEin Bauer in Niederösterreich muss derzeit die Milch seiner großen Ziegenherde entsorgen. (Symbolbild)



Von Angela Dähling

Mayrhofen – Ein offener Gulli, in den mittels dicken Schlauchs 9000 Liter Ziegenmilch in der Biogasanlage Amstetten einfach entsorgt werden – weil es für sie keinen Abnehmer gibt. Dieses Video zum Beitrag einer Agrarfachzeitschrift sorgt derzeit für Aufregung in sozialen Netzwerken. Heißt es darin doch, dass der Bauer von 400 Ziegen sich zu diesem Schritt gezwungen sah, weil die Sennerei Zillertal in Mayrhofen den Liefervertrag nicht verlängert hat.

Christian Kröll, Chef der Sennerei Zillertal, sieht seinen Betrieb in ein falsches Licht gerückt. Er betont, dass der Bauer seit anderthalb Jahren wusste, dass es zu keiner Vertragsverlängerung kommen werde, und erläutert auf Anfrage der TT die näheren Umstände. Demnach sei der besagte Ziegenbauer jahrelang der wichtigste, da größte Ziegenmilchlieferant für die Sennerei in Mayrhofen gewesen. 2012 begann die Geschäftsbeziehung mit dem rund 350 km entfernten Hof.

„Unsere Verträge werden in der Regel auf vier Jahre abgeschlossen und verlängern sich dann automatisch um ein Jahr“, erklärt Kröll. Werden Verträge gekündigt, bleibe das Lieferverhältnis noch ein Jahr aufrecht. Der Ziegenbauer habe von sich aus dann einen Fünfjahresvertrag gewollt. Die Sennerei kam dem Wunsch nach, doch der Vertragsinhalt schmeckte dem Bauern nicht. „Er hat den Vertrag nicht unterschrieben. Er sagte, er wolle sich nicht von uns abhängig machen“, erklärt Kröll. Das sei im Juni 2016 gewesen. „Wir wussten nicht, ob er bei uns bleibt. Er lieferte uns knapp ein Drittel der benötigten Ziegenmilch und ohne ihn wären unsere Ziegenmilchprojekte vor dem Aus gestanden und damit 20 weitere Ziegenmilchlieferanten in Mitleidenschaft gezogen worden“, erläutert Kröll. Anderthalb Jahre vor Vertragsablauf habe man dem Niederösterreicher dann mitgeteilt, dass der Vertrag für 2018 nicht mehr verlängert werde. Währenddessen suchte die Sennerei neue Ziegenmilchlieferanten. Außervertraglich habe man dem Bauern aber immer wieder Milch abgenommen und ihm geraten, auf Bioproduktion umzustellen. Bisher sei das aber nicht geschehen.

„Ein Mitbewerber sagte uns zudem, dass der Bauer ihn beliefern wolle“, ergänzt Kröll. Doch das Lieferverhältnis mit der anderen Molkerei währte nur kurz und wurde nach einer Testphase beendet – offenbar, weil die Produkte wegen Überangebots nicht den geplanten Weg in die Regale großer Lebensmittelketten schafften.

Der Fall beschäftigt in Niederösterreich sowohl den Bauernbund als auch die Landwirtschaftskammer und den Österreichischen Ziegenzuchtverband. Der Ziegenbauer ist bekannt – einerseits weil er eine Spitzenproduktion hat und sich auf Ziegenmilch spezialisiert hat. Andererseits, weil er nicht zögerlich mit Klagen und dem Weg zum Rechtsanwalt sein soll. Mit ein Grund, warum versucht wird, möglichst ohne medialen Wirbel eine Lösung finden. Der Bauer selbst möchte keine Stellungnahme abgeben.

„Seit vier Wochen führe ich täglich Gespräche mit dem Bauern, damit wir eine Lösung für ihn finden“, sagt Sepp Stöckl, der als Obmann des Ziegenzuchtverbandes vermittelnd tätig ist. Das Ganze sei eine sehr komplexe Sache und hier würden aus dem Zillertal und Niederösterreich „charakterstarke Leute aufeinanderprallen“, meint Stöckl. Fakt ist, dass für den Niederösterreicher die derzeitige Situation existenzgefährdend ist. Doch gestern Mittag konnte Stöckl mitteilen, es schaue so aus, als stünde nun für die rund 400.000 kg Ziegenmilch im Jahr ein Abnehmer in Aussicht.