Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 22.04.2018


Tirol

Der Schatz in der Badewanne

Dieser Abschied ist endgültig: Erwin Schrödinger und Otto Wagner sind, zumindest als Schillingscheine, wertlos geworden. Noch immer sind sieben Milliarden im Umlauf.

© Thomas BöhmSchillingbeträge der letzten Generation sind unbefristet gültig.



Von Michaela S. Paulmichl

Innsbruck – In der Werkzeugtasche, im originalverpackten Hemd, eingemauert in der Badewanne, vergraben im Garten oder am Dachboden versteckt: „Man glaubt gar nicht, wo die Leute überall ihr Geld verstecken“, sagt Armin Schneider, Direktor der Oesterreichischen Nationalbank, Zweiganstalt West. Oder versteckt haben – vor Jahren oder auch Jahrzehnten, um es schließlich zu vergessen. Nur so ist es wohl zu erklären, dass 16 Jahre nach Einführung des Euro immer noch so viele Schillingscheine und -münzen im Umlauf sind und manchmal auch unverhofft wieder auftauchen.

Allein die Otto-Wagner-500er oder Erwin-Schrödinger-1000er, die vergangene Woche ihren Nominalwert verloren haben, hatten einen Wert von insgesamt 1,5 Milliarden Schilling, das sind umgerechnet 108 Millionen Euro. Rund ein Zehntel davon war in Tirol im Umlauf und ist es teils auch noch. Denn vieles wurde offensichtlich zu gut versteckt, um es wiederfinden zu können, und vermutlich manchmal auch aus Versehen vernichtet – etwa beim Ausräumen der Wohnung eines verstorbenen Angehörigen.

Jeden Tag kommen rund 30 Kunden in die Innsbrucker Filiale der Nationalbank, um Schillinge umzutauschen. Deshalb hielt sich in Tirol auch der Ansturm auf den Eurobus in Grenzen, der in den letzten Tagen durch ganz Österreich tourte – die unwiderruflich letzte Möglichkeit, die beiden Banknoten umzutauschen, die nun nur noch als Konfetti dienen können. Anders in Graz, wo ein Kunde mit 700 Schrödinger-Tausendern auftauchte. 50.870 Euro hat er noch dafür bekommen – ein Verlustgeschäft. „Früher waren 700.000 Schilling noch sehr viel wert“, sagt Schneider. Überrascht hat ihn auch, dass manche ihre 500-Euro-Scheine umtauschen wollten: Manche haben den Aufruf offensichtlich mit der Diskussion über die Abschaffung des Euro-500ers verwechselt. Er behält seine Gültigkeit.

Seit 2002 haben mehr als 933.000 Österreicher mehr als 593 Millionen Schilling in Euro gewechselt, doch noch immer sind rund 8,5 Milliarden im Umlauf (rund 616 Mio. Euro). Zählt man die nun ungültigen Scheine weg, bleiben noch sieben Milliarden übrig, darunter auch sehr viele Münzen. Schneider: „Von den Zehn-Groschen-Stücken fehlen noch 1,7 Milliarden. Bricht man das auf Tirol herunter, gehen sich dafür 50 Mittelklasse­autos aus.“

Wird das Geld nicht umgetauscht, freut sich jedenfalls der Fiskus. Das Finanzamt spart sich dadurch Hunderte Millionen Euro.