Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 26.04.2018


Standort Tirol

Chinesische Investoren vor Einstieg bei GE Jenbacher?

Gerüchte über den Einstieg von chinesischen Investoren bei GE Jenbacher lassen Tiroler Politiker um „Know-how“ fürchten.

© GEAm Standort Jenbach arbeiten derzeit rund 1600 Mitarbeiter, Verkaufsgespräche werden geführt.Foto: General Electric



Innsbruck, Jenbach, Fairfield – Unruhe gibt es nach der Bestätigung des geplanten Verkaufs von GE Jenbacher. Der US-Industriegigant General Electric (GE) will – wie berichtet – sein Tiroler Unternehmen Jenbacher Gasmotoren bzw. GE Jenbacher loswerden. Am Mittwoch sprach Wirtschaftskammerpräsident Jürgen Bodenseer (VP) am Rande eines Pressetermins von Gerüchten, wonach „Chinesen oder Ägypter“ Interesse an der profitablen Gasmotoren- und Dieselsparte in Jenbach hätten. Bestätigung gab es für diese Gerüchte nicht, wenngleich Insider sich Investoren aus diesen Ländern für den Standort in Jenbach durchaus vorstellen können. Auch Betriebsratschef Roland Eitzinger kennt keine Interessenten, er bestätigt aber laufende Verkaufsgespräche. Mit wem diese geführt würden, sei ihm aber nicht bekannt. „Mutmaßungen über Interessenten zu äußern, ist zu früh“, sagte Eitzinger. Zu laufenden Verkaufsverhandlungen werde nicht Stellung genommen, hieß es von Sprecherin Kerstin Lienbacher.

Grundsätzlich stehe der Betriebsrat einem Verkauf neutral gegenüber, sagte Eitzinger, er verlangte aber eine Möglichkeit der Stellungnahme zur Best-Bieter-Vergabe. WK-Präsident Jürgen Bodenseer wünscht sich, dass der Standort Tirol gesichert werde, „egal mit welchem Geld“. Er hoffe, dass mit ausländischen Investoren nicht „Know-how aus Tirol abgezogen“ werde.

GE-CEO John Flannery hatte vor rund einer Woche die Möglichkeit des Verkaufs der Verbrennungsmotorensparte, auch bekannt als Distributed Power (DP), die die Produktlinie Jenbacher in Tirol umfasst, bestätigt. Das GE-Werk in Tirol beschäftigt derzeit rund 1600 Mitarbeiter. Der europäische Industriegewerkschaftsverband IndustriAll lancierte außerdem eine Petition, in der der Stopp des GE-Restrukturierungsplans gefordert wird. Auch die österreichischen Betriebsratskörperschaften schlossen sich dieser Petition an. Man wolle sich solidarisch mit den Kollegen in Großbritannien und Deutschland erklären, die vornehmlich von dem geplanten Jobabbau betroffen seien. In nur zwei Jahren würden europaweit nicht weniger als 12.000 Arbeitsplätze im Energiegeschäft von GE abgebaut, kritisierten die Arbeitnehmervertreter in der Petition. Die GE-Beschäftigten würden diese Entscheidungen, die „die Zukunft des Unternehmens gefährden“, einstimmig verurteilen. (pn,ver)