Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 26.04.2018


Standort Tirol

5-Euro-Wohnen um einen Euro aufpeppen

Wirtschaft will verpflichtenden Erschließungsbeitrag für Bauland und mehr Kontrollen bei Freizeitwohnsitzen.

© WK/KöllRieder (l.) und Bodenseer sehen Handlungsbedarf.Foto: WK/Köll



Innsbruck – Beim leistbaren Wohnen sieht auch die Tiroler Wirtschaftskammer akuten Handlungsbedarf: Kammerpräsident Jürgen Bodenseer und Bau-Innungsmeister Anton Rieder präsentierten gestern einen Katalog mit Vorschlägen für die schwarz-grüne Landesregierung. Bodenseer war sozusagen für den „politischen Überbau“ zuständig, Rieder forderte konkrete Maßnahmen im Zusammenhang mit den Baukosten.

Die Baupreise seien in den vergangenen sechs Jahren um 18 Prozent gestiegen, deshalb sollten auch die anrechenbaren Kosten bei der Wohnbauförderung um rund zehn Prozent erhöht werden – auf 1850 bis 2100 Euro, schlägt Rieder vor. Eine Reduzierung auf rund 18 Prozent erwartet er sich bei den Nebenkosten (Architekten etc). Und ein besonderes Anliegen sind ihm die 5-Euro-Wohnungen. Bisher seien erst 50 der geplanten 700 realisiert worden. „Man kommt mit fünf Euro kaum aus, bei der Qualität muss gespart werden und manche Kosten – wie beim Warmwasser-Durchlauferhitzer in der Küche – werden ausgelagert.“ Rieder spricht sich für eine Anhebung auf sechs Euro aus, „das würde etwas bringen“.

Für Bodenseer benötigt es bei den Rahmenbedingungen wie den steigenden Grundkosten Lösungen, gleichzeitigt fordert er eine rigidere Handhabung der gesetzlichen Möglichkeiten. Bei der Mobilisierung von rund 3000 Hektar gehortetem Bauland kann sich der Wirtschaftskammerpräsident vorstellen, dass die vorzeitigen Erschließungskosten verpflichtend von den Gemeinden eingehoben werden. Und mehr Kontrollen durch die Bürgermeister wünscht sich der Kammerchef bei den Freizeitwohnsitzen. „Wir haben klare gesetzliche Vorgaben, die es auch zu kontrollieren gilt.“ Generell pocht Boden­seer auf mehr Muss- statt Kann-Bestimmungen in der Raumordnung. (pn)