Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 27.04.2018


Standort Tirol

Kaiserstraße soll Altstadt in Schwaz beleben

Der Verein Innenstadtkaufleute ist gescheitert. Nun formiert sich eine neue Gemeinschaft in Schwaz. Mit der Initiative „Einkaufserlebnis Schwazer Altstadt“ wollen Wirtschaft, Kunst und Kultur mehr Frequenz erreichen.

© FankhauserDie Frage, ob die Franz-Josef-Straße in der Schwazer Altstadt in Kaiserstraße umbenannt werden soll, sorgt für Diskussionsstoff.Foto: Fankhauser



Von Eva-Maria Fankhauser

Schwaz – Es muss endlich etwas passieren. Das denken sich viele, wenn es um die Belebung der Schwazer Innenstadt geht. Vieles wurde bereits versucht. Manches ist aber gescheitert. Vor etwa drei Monaten wurde eine neue Initiative gestartet. Und die scheint es in sich zu haben, denn die Kaufleute sprechen bereits jetzt von ersten Erfolgen und neuen Gesichtern in ihren Geschäften.

„Wir müssen komplett neu starten, Altes über Bord werfen, neu denken und kreativ sein“, sagt Armin Wechselberger im TT-Gespräch. Für den Schwazer hat die Silberstadt viel zu bieten. Das Flanieren durch die historische Altstadt, von Ladentür zu Ladentür, sei ein Erlebnis. „Das hat ein Flair wie in einer alten Stadt in Italien“, schwärmt er. Vor drei Monaten war es so weit: „Ich habe mir gedacht, es muss jetzt etwas passieren.“ Er brachte Wirtschaft, Kunst und Kultur zusammen, um gemeinsam mehr Frequenz zu erreichen – in der Innenstadt und auch in den Geschäften.

Die Geschäfte vernetzen sich via Facebook-Seite „Einkaufserlebnis Schwazer Altstadt“ miteinander. Ganz ohne Zwang. Ohne Mitgliedschaftsbeitrag. „Wir sind kein Verein, sondern eine Gemeinschaft, eine Familie mit gegenseitigem Respekt. Jeder arbeitet und nutzt unser Angebot kostenlos“, erklärt der Freigeist. Wechselberger ist bekannt für seine Offenheit und seinen Ideenreichtum. Alle helfen zusammen, erweitern das Netzwerk und wollen die Altstadt voranbringen. Auch die Zusammenarbeit mit dem Stadtmarketing und Potenzialflächenmanagement funktioniere gut.

Ziel der Initiative ist es, die Frequenz innerhalb eines Jahres deutlich und für alle spürbar zu erhöhen. „Es gibt derzeit große Löcher in der Frequenz. Einmal kommen 1000 Leute, weil ein Fest stattfindet, oder es sind mal mehr Touristen hier. Dann sinkt die Frequenz aber wieder. Wir wollen die Grundlinie heben“, sagt Wechselberger. Seit vielen Jahren werde das versucht. Er glaubt, dass es nur gemeinsam, auf unpolitischem Weg und mit viel Engagement sowie Mut für Neues funktioniert.

Dazu müsse aber ein Umdenken stattfinden. Daher rief Wechselberger den Kunstnamen „Kaiserstraße“ ins Leben. Denn durch die Franz-Josef-Straße seien schon viele Kaiser, Könige und Päpste geschritten, hätten hier übernachtet. Es wäre laut ihm ein mutiger, aber sinnvoller Schritt, die Straße in Kaiserstraße umzubenennen. Dass er damit auch provoziert und den Zorn so mancher Schwazer auf sich zieht, ist ihm bewusst. Es gab einige böse Kommentare in den sozialen Netzwerken und auch ihm persönlich gegenüber. Auch mit Kritik seitens der Politik kann er umgehen.

Für BM Hans Lintner kommt eine Änderung des Straßennamens nicht in Frage: „Es gab auch nie eine entsprechende Anfrage. Auch nicht seitens des TVB aus touristischen Gründen.“

Doch Wechselberger bleibt dabei: „Wir müssen die Leute aufwecken und provokant sein.“ Daher erweckt er auch den Stadtgott Suates zu neuem Leben. Dieser sei bereits vor über 500 Jahren als Gott der Silberstadt erwähnt worden und ist für Kaufleute, Geld, Tagdiebe und das große Unbekannte zuständig.

Auf der Facebook-Seite werden die Aktionen der einzelnen Geschäfte und Einrichtungen in der Innenstadt beworben. Täglich durchforsten die Administratoren die jeweiligen Seiten und verbinden alles Interessante auf der gemeinsamen Seite. Zudem wird in diversen Veranstaltungskalendern – auch über Tiroler Landesgrenzen hinaus – geworben, Feste sind geplant sowie eigene Stadt-Shopping-Führungen. Weiters kann jeder seine eigenen Flyer drucken und die Gemeinschaft hilft dann beim Verteilen.

„Die Idee ist super. Alle Unternehmen können sich auf einer Seite präsentieren. So haben schon Kunden in mein Geschäft gefunden, die noch nie da waren, meine Angebote aber online gesehen haben“, sagt Lisa Troger vom Blue House. Sie bekomme seither auch online Anfragen zu ihrem Sortiment. Troger war früher beim Verein Innenstadtkaufleute, der sich nach einigen Turbulenzen aufgelöst hat. In der neuen Initiative sieht sie mehr Erfolgspotenzial, da alles auf freiwilliger Basis und ohne Druck ablaufe. Auch Nico Siegismund vom Bauernladen ist positiv überrascht vom ersten Erfolg der Initiative. „Es ist wichtig, dass mehr Leute in die Innenstadt kommen. Von den Einheimischen alleine können wir nicht leben“, sagt der Unternehmer.