Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 02.05.2018


Innsbruck

Thai-Essen und Schuhe in trauter Zweisamkeit

Im Innsbrucker Geschäftslokal des Schuhmachers und Orthopäden Robert Schlögl kann man neuerdings auch thailändisch essen.

© StegmayrRobert Schlögl und seine Partnerin Srisai Panithan vereinen in ihrem Lokal Wokpfanne und Schuhe.Foto: Stegmayr



Von Markus Stegmayr

Innsbruck – „Darf ich Ihnen eine Menükarte meiner Freundin mitgeben?“, verabschiedet Orthopäde Robert Schlögl neuerdings seine Kunden. Der erstaunten Nachfrage, wo man thailändisch essen könne, folgt meist ein klares und deutliches „Hier“ von Schlögl. Die anschließenden Blicke sind irritiert und schweifen umher. Ebendiese Blicke stoßen aber bald schon auf einen gedeckten Tisch, der an völlig unerwarteter Stelle im Geschäftslokal steht.

Eingerahmt wird dieser Tisch von unzähligen Schuhen. Der Tisch ist bereits Phase zwei der Transformation der Geschäfts- und Arbeitsräumlichkeiten. Zu Beginn nahmen die Gäste von Köchin Srisai Panithan –die von allen nur Noi genannt wird – direkt in der Werkstatt von Schlögl Platz. Bald will Schlögl Phase drei einläuten. Mit einem Kronleuchter und echten Kerzen. „Es soll romantisch werden“, sagt er und lächelt.

Der jetzigen Situation gingen kleine und größere Katastrophen voraus. Probleme mit Vermieter und Ex-Partner veranlassten Noi dazu, das damalige thailändische Restaurant in der Universitätsstraße aufzugeben. Auch der Arbeitsaufwand ist ihr damals über den Kopf gewachsen.

Danach war sie unter anderem in einem Restaurant in Seefeld angestellt, in dem sie eigentlich hätte kochen sollen. „Ich habe damals aber nur Salat gewaschen“, sagt sie lakonisch. Glücklich wurde sie dabei jedoch nicht, was sie dazu veranlasste, nach Thailand zu ihrer Familie zu fliegen. „Der Ausflug hat dann stolze sechs Monate gedauert“, sagt sie lachend. Obwohl Schlögl diese Zeit als hart beschreibt, nutzte er sie, um sich um sein „Baby“ zu kümmern, wie er es selbst nennt.

Dieses „Baby“ hört auf den Namen „Gehpunkt“. Die Idee sei schon lange da gewesen, einen Prototypen hergestellt habe er aber erst vor zwei Jahren, verrät er. Die Zeit der Abwesenheit von Noi nutzte Schlögl dann für den Aufbau der Marke. „Gehpunkt“ ist ein „kugelförmiges Teil“, das eine „dreidimensionale Schrittabwicklung“ auch auf den Böden von Häusern und auf Straßen ermöglicht.

Noi wies bei der Entwicklung von „Gehpunkt“ ihren Partner darauf hin, dass es ein ähnliches Modell in Thailand gebe. Dort stünden Mönche, mit ähnlichen Ergebnissen für Füße und Körperhaltung, auf Kokosnussschalen. Das führte letztlich auch dazu, dass „Gehpunkt“ nicht mit einem österreichischen, sondern mit einem thailändischen Testimonial, dem Mönch Prajo, beworben wird.

Noi und Schlögl sind sichtlich glücklich, dass die Symbiose aus Thai-Essen und Schuhen sie so nahe zusammengebracht hat. „Mein Traum war es immer, dass sie in meiner Nähe arbeitet“, meint Schlögl dazu. „Dass es so nah sein würde, war aber nicht geplant“, ergänzt er und lächelt.

Ins Rollen brachte diese ungewöhnliche Symbiose die Anfrage von fünf türkischen Brüdern, die einen Kebab-Wagen auf dem Platz vor der Werkstatt platzieren wollten. Eine Nachfrage beim Vermieter war schnell getätigt und machte klar, dass eine Untervermietung für einen Imbiss möglich wäre. Als die Interessenten dann aber doch absprangen, flammte die Idee auf, das Imbiss-Vorhaben selbst umzusetzen. Schlögl entschied, sich einen Imbiss-Wagen hinzustellen, der an Nois Bedürfnisse angepasst wurde. Die Thailänderin kocht alles frisch, unter anderem auf einem Induktionskochfeld. „Wenn sie hinter dem Herd steht und rühren darf, dann ist sie auf einem anderen Stern“, beschreibt Robert Schlögl. Leidenschaft für ihren Beruf ist es dann auch, was die beiden verbindet. „Noi und ich gehen auf spezielle Wünsche sehr gerne ein“, sagt Schlögl.

Auch Überschneidungen bei den jeweiligen Zielgruppen gibt es. „Bei mir gehen natürlich viele Diabetiker ein und aus und das Essen von Noi ist gut für diese geeignet“, weiß Schlögl. So ist es natürlich nicht ausgeschlossen, dass die aktuellen Kunden von Schlögl in absehbarer Zukunft Stammgäste von Noi sein werden. Gut denkbar außerdem, dass Menschen mit feinem Gaumen auch ein Faible für Schuhe oder innovative Ideen wie „Gehpunkt“ haben.