Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 03.05.2018


Standort Tirol

RLB-Chef attackiert Notenbank

Raiffeisen kritisiert den Ruf der OeNB nach rascherem Jobabbau, während die Regulierung zunehme. Negativzinsurteil drückte Ergebnis der Tiroler Raiffeisen-Gruppe.

© Robert Parigger(Symbolbild)



Von Max Strozzi

Innsbruck – Der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) geht der Jobabbau in Banken viel zu langsam. Das hat Vizegouverneur Andreas Ittner vor knapp einem Monat erneut betont. In Österreich seien die Kosten der Banken im Vergleich zu anderen Ländern zu hoch. Man müsse daher am Personal ansetzen, forderte der OeNB-Vizechef. Ende 2017 beschäftigten Österreichs Banken rund 73.700 Leute.

Dass Ittner von Banken einen Mitarbeiterabbau fordere, sei „zynisch“, kritisierte gestern Johannes Ortner, Vorstandschef der Raiffeisen Landesbank Tirol. „Die OeNB richtet uns aus, dass Banken zu wenig Personal abbauen, gleichzeitig überhäuft sie uns mit Regulierungen, die immer mehr Personal erfordern“, sagte Ortner gestern im Rahmen der Bekanntgabe der Vorjahresbilanz.

„Wir sind nicht zynisch, sondern unsere Aufgabe ist die Wahrung der Finanzmarktstabilität“, kontert die Notenbank. Diese sei nur dann gewährleistet, wenn die Banken ein nachhaltig profitables Geschäft haben. Im europäischen Vergleich müssten Österreichs Banken noch stärker darauf achten, ihr Geschäft effizienter und schlanker zu führen. „Die Erfordernisse der Regulierung sind uns bewusst, deshalb wollen wir die Proportionalität einführen, die Erleichterungen für kleinere Institute bringen soll“, so die OeNB.

Von Erleichterungen sei nichts zu spüren, meint dagegen Ortner. Im Vorjahr habe die RLB Tirol 10 Mitarbeiter aufgrund diverser Regulierungen – Meldewesen, Verhinderung von Geldwäsche oder die kommende EU-Datenschutzgrundverordnung – aufgebaut. Es vergehe kein Tag, an dem Notenbank oder auch die Finanzmarktaufsicht Anfrage zu solchen Themen habe. „Dezentral organisierte Banken wie Raiffeisen oder die Sparkassen treffen solche Vorgaben massiv. Die Regulierung gefährdet dezentrale Sektoren“, so Ortner.

Kritik übt er auch an der Europäischen Zentralbank (EZB). Trotz Hochkonjunktur bleibe die EZB bei ihrer Niedrigzinspolitik. „Es scheint, als würden bis Mitte 2019 die Zinsen nicht erhöht“, so Ortner. Dies bedeute, dass die Zinsen danach und somit mutmaßlich während eines konjunkturellen Abschwungs steigen könnten. Für Ortner „die falsche Politik“.

Zugesetzt hätten den 67 Banken des Tiroler Raiffeisensektors neben gestiegenen Personalkosten auch die Negativzinsurteile, die die Branche zur Rückzahlung von Zinsen verpflichtet hat. Die RLB Tirol hat dafür 2,7 Mio. Euro auf die Seite gelegt, Tirols Raiffeisensektor 15 Mio. Euro. Entsprechend knickten die Ergebnisse ein. Das Betriebsergebnis der RLB Tirol sank um 24 % auf 21,6 Mio. Euro, jenes der Tiroler Raiffeisengruppe um 15 % auf 73,9 Mio. Euro. Der Gewinn (EGT) sank bei der RLB um 10,8 % auf 20,2 Mio. Euro, in der Gruppe um 1,5 % auf 87,4 Mio. Euro. Dafür stiegen die Bilanzsummen auf den Rekord von 7,4 Mrd. Euro (RLB) bzw. gruppenweit auf 14,8 Mrd. Euro. Die Kapitalreserven wurden weiter ausgebaut.




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