Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 05.05.2018


Exklusiv

413.000 Euro vom Land für Billighotel im Ötztal

Eine deutsche Investorengruppe errichtet im Ötztal ein Billighotel. Dass die Landesregierung dem Hotel aus dem Impulspaket nun 413.000 Euro Zuschuss zahlen will, kritisiert NEOS-Chef Oberhofer als Wettbewerbsverzerrung.

© PaschingerIm Februar ist der Spatenstich für das Explorer-Hotel erfolgt.Foto: Paschinger



Von Max Strozzi

Umhausen – In Umhausen wird das tirolweit dritte und bundesweit achte Low-Budget-Hotel der Explorer-Kette gebaut, die Gruppe gehört deutschen Investoren. 200 Betten entstehen und nach Angaben der Betreiber, die ihr Billig-Hotelkonzept als „Motel One der Alpen“ bezeichnen, werden 10,5 Mio. Euro investiert. Der Spatenstich ist erfolgt – die TT berichtete.

Die schwarz-grüne Landesregierung will nun das Hotelprojekt mit rund 413.000 Euro bezuschussen, wie aus einem Beschluss hervorgeht. Das Geld soll aus dem Impulspaket Tirol fließen, dessen Schwerpunkt eigentlich darin liegt, kleine und mittlere Unternehmen in der Industrie zu fördern. Im Tourismus dagegen sind aus dem Topf Zuschüsse lediglich für Infrastruktureinrichtungen wie etwa Campingplätze, Freizeitparks, Kinos, Ballonfahr- und Hänge- bzw. Gleitschirmunternehmen etc. vorgesehen. Hotels werden nicht angeführt.

Für Tirols NEOS-Klubchef und Hotelier Dominik Oberhofer ist es fragwürdig, dass es im Tourismus-Hotspot Ötztal einen Landeszuschuss für ein einzelnes Hotel gibt. „Diese Förderung ist wettbewerbsverzerrend“, kritisiert Oberhofer. Zwar seien Investitionen wie das Explorer-Hotel sinnvoll. Es bräuchte aber „bessere Bedingungen für alle und nicht großzügige Förderungen für Einzelne“.

Eigenartig sei auch, dass die Hotel-Förderung aus dem Topf des hauptsächlich für die Industrie vorgesehenen Impulspakets fließt. „Bis dato ist aus diesem Topf auch fast nur die Industrie gefördert worden“, so Oberhofer. Hotels seien im Impulspaket auch nicht als förderbare touristische Infrastruktur angeführt. Bürgermeister in Umhausen ist ÖVP-Klubobmann Jakob Wolf, einen Zusammenhang mit der Förderung will Oberhofer aber nicht herstellen. Er kritisiert dagegen die Grünen, die der Förderung zugestimmt hätten.

Die Regierung begründet den Zuschuss für das Hotel damit, dass es sich „um ein neues touristisches Angebot im Low-Budget-Bereich“ handle, „das es in weiten Teilen Tirols so bisher noch nicht gibt“ und auch im Ötztal noch nicht vorhanden sei.

Vom Impulspaket wurden in den letzten fünf Jahren acht Hotelprojekte mit insgesamt zwei Millionen Euro gefördert, erklärt das Büro von LH Günther Platter. Davon allerdings nur ein Neubau (Obertilliach), der Rest Um- und Ausbauten. Das Impulspaket fördere zwar in erster Linie Industrieunternehmen, in „besonders begründeten Ausnahmefällen“ würden aber auch Vorhaben in anderen Branchen gefördert, wenn überregional betrachtet ein „überdurchschnittliches neues Angebot geschaffen wird“, heißt es weiter. In Umhausen seien diese Voraussetzungen gegeben, meint das Land. Denn zwar sei das Ötztal touristisch gut erschlossen. Umhausen habe aber geltend gemacht, dass Privatzimmervermietungen massiv zurückgegangen seien und das Explorer-Hotel diesen Rückgang kompensieren könne.