Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 08.05.2018


Bezirk Reutte

Das neue Messekonzept schlug bei den Besuchern ein

Zufriedene Besucher, zufriedene Aussteller – das Linztextil-Areal samt Riesenzelt erwies sich für die Wirtschaftsmeile als Glücksgriff. Das Fehlen des offiziellen Tirols bei der größten Regionalmesse fiel auf.

© Mittermayr HelmutDie innovative Unternehmerin Monika Poberschnigg-Scheiber (3. v. l.) präsentierte ihr „Tinyhouse“ als Minihaus auf Rädern.



Von Helmut Mittermayr

Reutte – Zurück bleibt der Staub, die erste Wirtschaftsmeile am Linztextil-Areal ist Geschichte. Das siebenköpfige Messekomitee mit Obmann Wolfgang Winkler und Messemanager Wolfgang Wohlgenannt kann getrost abklatschen. In der 32-jährigen Geschichte gab es keine so positive Resonanz auf eine Messe wie diesmal von Besuchern und Ausstellern gleichermaßen. Der Mut, beim 18. Anlauf mitten ins verwaiste Industrieareal zu gehen, hat sich gelohnt. Vorbei die engen „Schlurfe“ im Zelt, vorbei Standplätze zweiter Klasse, vorbei die Parkmisere. Auch der Ring als zentraler Eventbereich in Tirols größtem Zelt erwies sich als Glücksgriff. Anrainer des Linztextil-Areals waren den Veranstaltern zudem dankbar, dass sie als Vorleistung die riesige 100.000 m² große Fläche planiert hatten und damit die Schutthaufen verschwunden waren.

Emotionen wollten die Veranstalter wecken. Einerseits über die Unterhaltungsschiene von Modeschauen bis Boxkämpfen, bei denen sogar echtes Blut floss. Vor allem aber über reale Begegnungen zwischen Kunden und Anbietern, um dem großen anonymen Marktbegleiter Internet die Stirn zu bieten. „Und da waren wir unschlagbar“, lacht Wolfgang Winkler, dass sich beim Messemotto „Ring frei“ Wortspiele immer wieder geradezu aufdrängten. Die Wirtschaftskammer Reutte war in Doppelfunktion nicht nur mit ihrem Geschäftsführer Winkler präsent, auch Obmann Christian Strigl war drei Tage lang durchgehend im Zelt.

Die Modeschauen (und Boxkämpfe) waren ein Publikumsmagnet.
- Mittermayr Helmut

Ob die Messe 2020 wieder am gleichen Gelände stattfinden wird, kann Wolfgang Winkler nicht einschätzen. „Wir waren immer auf Wanderschaft. Und wir hoffen ja auch einen positiven Anstoß für die Entwicklung des Linztextil-Areals geliefert zu haben. Wer weiß, vielleicht besteht in zwei Jahren schon gar keine Möglichkeit mehr. Falls doch, könnte die MK Reutte das Zelt für ihr Bundesmusikfest direkt übernehmen. Vorgespräche wurden schon geführt.“

Wirkliche Kritikpunkte an der Wirtschaftsmeile gab es nicht, einen kleinen Ärger schon. Einige Aussteller – wie etwa Richard Wex – sahen es als „Geringschätzung der größten Regionalmesse Tirols an, dass die Honoratioren des Landes lieber allesamt beim Gauder Fest im Zillertal feier­n, als sich im Außerfern sehen zu lassen. Aber es sind ja gerade keine Wahlen.“

Die Polizei, mit eigenem Stand vertreten, ließ Kinder gerne ans Blaulicht.
- Mittermayr Helmut

Als vielfacher Verbesserungsvorschlag sei ein Nachjustieren, also ein breiteres Angebot in der Gastronomie, von Besuchern wie Ausstellern gewünscht, räumt Winkler ein. Sagt aber auch gleich dazu, dass dies nicht einfach sei. „Eine Messewirtschaft muss Auflagen erfüllen, die zwischen 10.000 und 12.000 Euro kosten. Das kann niemand hereinholen.“

Reuttes Bürgermeister Aloi­s Oberer hatte als offizieller Festredner neben wohlwollenden Äußerungen auch – wie berichtet – Kritisches angemerkt. So forderte er etwa Unternehmer auf, sich zurückzunehmen und „nicht noch Fremdenhass zu schüren. Es macht keinen Sinn, über Ausländer zu schimpfen und im eigenen Betrieb auf sie angewiesen zu sein.“ Im Sinne einer besseren Markenbildung in Sachen Reutte-Logo zeigte er auf, dass Verkehrsteilnehmer gleich nach dem Grenztunnel Füssen immer noch mit dem riesigen Überkopfschild „Ferienregion Reutte“ willkommen geheißen werden, obwohl die gesamte Region bereits seit 2008 unter „Naturpark“ firmiert.

Beim VW-Gewinnspiel im Freibereich bildeten sich Menschenschlangen, um mit etwas Glück gleich ein neues Auto mit nach Hause nehmen zu können.
- Mittermayr Helmut