Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 09.05.2018


Osttirol

Drei Viertel der Osttiroler sind für die EU

Absolventen der Gewerkschaftsschule Lienz haben im Bezirk Meinungen zur EU eingeholt. Das Sicherheitsgefühl ist groß.

© Helena SachersDie Absolventen Eva-Maria Leeb, Erich Wittmann, Michael Faitelli, Roswitha Mair und Meik Oberrainer haben zum Thema Sicherheit befragt und ihre Ergebnisse präsentiert (v. l.).Foto: Sachers/ÖGB



Von Christoph Blassnig

Lienz – Die Gewerkschaftsschule ist ein Aus- und Weiterbildungsangebo­t für Mitglieder des Österreichischen Gewerkschaftsbundes (ÖGB). 18 Teilnehmer schließen im Juni diesen viersemestrigen Lehrgang in Lienz ab. Als Projektarbeit haben die Absolventen in Osttiroler Gemeinden insgesamt 360 Personen zu den Bereichen Wirtschaft, Soziales und Sicherheit in der EU befragt. Die Ergebnisse wurden nun präsentiert. Auch ÖGB-Präsident Erich Foglar und die EU-Abgeordnete Karoline Graswander-Heinz waren zu diesem Anlass in Lienz zu Gast.

Ein Drittel der Befragten glaubt, dass die Landwirtschaft am meisten von der EU profitiere, 42 Prozent sind der Meinung, dass es die Industrie sei. Nur 16 Prozent halten die Gemeinden für die größten Profiteure. Die unter den Befragten bestbekannten Förderempfänge­r sind mit Abstand der Nationalpark Hohe Tauern, Natura 2000 und die Landwirtschaft.

22 Prozent wünschten sich als verkehrstechnische Verbesserung im Bezirk eine Schnellstraße (dezidiert wurde als Stichwort die Alemagn­a abgefragt). Mit 42 Prozent rund doppelt so viele würden dagegen EU-Gelder für den Ausbau des öffentlichen Bahnverkehrs in Osttirol befürworten. Umfahrungen für Sillian und Lienz hat jeder zehnte Befragte genannt. Der freie Personenverkehr im Schengenraum ist für vier von fünf Personen wichtig bzw. sehr wichtig.

Knapp 90 Prozent wünschten sich EU-weit geltende soziale Mindeststandards, die für alle Unternehmen bindend sein sollten – denn mehr als die Hälfte glaubt, dass Arbeitnehmerinteressen nicht in gleichem Ausmaß wie jene der Wirtschaft berücksichtigt würden. Der europäische Berufsausweis, der die Mobilität von Berufstätigen verbessern soll, ist nur jedem Fünften bekannt.

Mit überwältigender Mehrheit fühlen sich die Befragten in Osttirol sicher. Nur sieben von 100 sehen das anders. Wenige hätten Bedenken, Großveranstaltungen zu besuchen. Größte persönliche Einschränkungen würden die meisten durch Kameraüberwachung empfinden. Zwei Drittel glauben, dass die EU den Frieden in Europa sichert. Schließlich haben drei Viertel aller befragten Osttiroler auf die Frage „Sind Sie für oder gegen die EU?“ mit „Dafür“ gestimmt. 13 Prozent sind nach eigenen Angaben dagegen, zwölf haben „Egal“ angegeben.

ÖGB-Präsident in Sorge

Am Montag war Gewerkschaftsbund-Präsident Erich Foglar in Lienz. Nach der Besichtigung des Campuskomplexes und der Berufsschule führte er dort mit HTL-Schülern eine rege Diskussion. „Schon für unsere jüngsten Menschen am Arbeitsmarkt sind Stress und Druck alltägliche Belastungen", zeigte sich Fogla­r im Anschluss in einem Pressegespräch betroffen. Immer weniger Erholungsphasen würden zu immer mehr Burnout-Betroffenen führen. „Der von der Regierung geplante 12-Stunden-Tag bzw. die generelle 60-Stunden-Woche, die Abschaffung der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt AUVA, die Abschaffung des gesetzlichen Schutzes durch die Arbeiterkammer, die Abschaffung des Jugendvertrauensrates, Zwangskürzungen beim AMS, das gekippte Rauchverbot in der Gastronomie — all das sind Anschläge auf unser Land", mahnte Foglar. Die Arbeitnehmervertretungen würden massiv dagegen­halten. (bcp)