Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 09.05.2018


Bezirk Kitzbühel

Großes Werben um die Fachkräfte von morgen in Kitzbühel

Die Wirtschaftskammer Kitzbühel möchte mit dem Berufs-Festival wieder mehr Jugendliche für eine Lehre begeistern.

© Harald Angerer



Von Harald Angerer

Kitzbühel – Es wuselt im K3Kongress der Kitzbüheler Wirtschaftskammer. Es wird gehämmert, gesägt, gefärbt und vor allem viel geredet. Einen solchen Andrang verzeichnet die Kammer nun bereits seit 17 Jahren, genau so lange gibt es nun schon das so genannte Berufs-Festival. Dabei sind die Schüler der siebten Schulstufe der Schulen im Bezirk in die Kammer eingeladen, dort informieren Betriebe über verschiedenste Lehrberufe.

Insgesamt sind es 30 Berufe, über die sich die Kinder näher informieren und bei so manchem Beruf auch selbst Hand anlegen können. So kann es dann schon vorkommen, dass eine Gruppe Schülerinnen beim Hobeln ist oder eine Gruppe Burschen beim Friseur steht. Auch wenn die Geschlechterrollen in den Lehrberufen nicht mehr so traditionell sind, der Beruf Friseurin findet sich bei den Mädchen nach wie vor auf Platz drei der Beliebtesten-Liste.

„Wir wollen die Kinder über die Möglichkeiten informieren“, sagt Kitzbühels Wirtschaftskammerobmann Klaus Lackner zu der Initiative. Die Talsohle bei den Lehrlingszahlen sei mit 2015 zwar durchschritten, doch die Zunahme sei minimal. Es herrscht nach wie vor großer Bedarf an Lehrlingen. Nur noch gut 45 Prozent der Jugendlichen wählen diese Ausbildung. „Der Trend zu den höheren Schulen hält nach wie vor an“, bekräftigt auch Bezirks-Pflichtschulinspektor Georg Scharnagl. Es sei deshalb wichtig, auch über andere Möglichkeiten zu informieren. Vor allem die Eltern seien wichtige Entscheidungsträger, es gebe aber noch viel Aufklärungsbedarf.

Der Anstieg bei Schulabgängern und -abbrechern in den höheren Schulstufen sei ein klares Signal, dass die getroffene Entscheidung nicht immer die richtige war. Deshalb setzt die Wirtschaftskammer auch vermehrt auf die Lehre im zweiten Bildungsweg. „Hier gibt es ganz klar Potenzial“, sagt Lackner und Scharnagl möchte die gesetzliche Lage bei den Polytechnischen Schulen ändern. Denn derzeit darf ein Schulabbrecher die Poly nicht als freiwilliges zehntes Schuljahr absolvieren. „Damit fehlt dem Jugendlichen aber der positive Abschluss“, erklärt Scharnagl.

Insgesamt besuchten gestern und heute 450 Schüler aus allen Neuen Mittelschulen des Bezirks (Ausnahme Kössen) das Berufs-Festival in Kitzbühel.

Prinzipiell gibt es mit etwa 350 freie Lehrstellen ein klares Überangebot an Stellen. Deutlich in Führung sind bei den Lehrlingen die Jungen mit einem Anteil von 67 Prozent. Mädchen tendieren stärker zu den höheren Schulen.