Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 11.05.2018


Standort Tirol

Das Anti-Hotelketten-Hotel in Innsbruck

Seit wenigen Tagen hat die „Faktorei“ offiziell eröffnet. Chefin ist eine gebürtige Hamburgerin.

© FaktoreiDie gebürtige Hamburgerin Anja Janus verliebte sich in die Mariahilfstraße und erfüllte sich dort ihren Hoteltraum.Foto: Faktorei



Innsbruck – Am Anfang war die Liebe. Als die gebürtige Hamburgerin Anja Janus beruflich nach Innsbruck kam und die Mariahilfstraße erblickte, war es um sie geschehen. „Ich habe mich in diese Straße verliebt“, gibt die Chefin der „Faktorei“ unumwunden zu und lächelt dabei zufrieden. Diese anhaltende Phase des „Verliebtseins“ fiel mit einem Zeitraum des beruflichen Umbruchs zusammen. Der veranlasste die Hamburgerin 2015 dazu, Nägel mit Köpfen zu machen, ein Haus in dieser Straße zu kaufen, um dort ihre Hotel­idee umzusetzen.

„Es war das hässlichste Haus in der ganzen Straße“, merkt sie an und lacht. Im November 2015 erfolgte schließlich die Schlüsselübergabe und sofort begann die Neo-Hotelchefin zusammen mit dem Architekten Cornelius Knapp Pläne zu schmieden. Janus wollte das Haus aufstocken und die Erker wiederherstellen, die noch bis in die 50er-Jahre bei dem Gebäude vorhanden waren. Auch wohnen wollte sie selbst in der „Faktorei“. Nichts von alldem ließ sich umsetzen, glücklich wirkt sie jetzt nach Abschluss der Planungs- und Bauphase dennoch.

Das war nicht immer so. „Zuerst war ich unglücklich mit dem Haus, weil ich dachte, dass da nichts Altes mehr ist“, erzählt Janus. Doch mehr und mehr stieß man auf das „Alte“ im Gebäude, etwa auf alte Decken. Das führte dazu, dass manchmal auch Pläne umgestellt werden mussten und der Bau anders als geplant verlief. Doch zur Freude der Hamburgerin verwandelte sich das Haus dadurch quasi vor ihren Augen zunehmend in ein Objekt, das sich dazu eignete, das Alte auf das Neue treffen zu lassen.

Seit 4. Mai ist die „Faktorei“ jetzt also geöffnet. Die Bar „Mahü“, im Erdgeschoß des Hotels situiert, zieht bereits junges, urbanes Publikum an, das sich aber auch mit direkten Nachbarn aus der Umgebung mischt. So kann es schon einmal vorkommen, dass neben dem „Hipster“ aus Wilten ein in Trachtenmontur gewandeter Schütze zum Sitzen kommt. „Die Hotelgäste sollen einen lebendigen Ort vorfinden und auch die Innsbrucker sollen herkommen“, meint Janus zum Bar-Konzept. „Es wird Ausstellungen, Live-Konzerte und Lesungen geben“, sagt Bar-Chefin Gitti Singer.

Einen Fernseher sucht man in den Doppelzimmern vergeblich. „Das ermutigt vielleicht den ein oder anderen, hier in der Bar mit Leuten ins Gespräch zu kommen“, sagt Janus. Einig ist man sich definitiv in der Ausrichtung des Individual-Hotels. Man wolle authentischer und regionaler als so manche Hotelkette sein. Und noch in einer weiteren Sache unterscheidet sich die „Faktorei“ von vielen anderen Hotels. Mit den Auscheckzeiten nimmt man es hier nicht so genau. „Ich bin Langschläferin und gehe einfach von mir aus“, lacht Janus. So wolle man die Auscheckzeiten deshalb flexibel gestalten und könne auch damit leben, wenn die Gäste erst um 13 Uhr auschecken. Bis dahin werde es auf alle Fälle auch noch Frühstück geben, verrät Janus. (mst)




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