Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 15.05.2018


Exklusiv

Wolf: „Besser als Hotelverkauf an Russen“

Umhausens Bürgermeister und ÖVP-Klubchef Jakob Wolf verteidigt den umstrittenen Landeszuschuss für Billighotel in seiner Gemeinde.

© Andreas Rottensteiner / TTUmhausens Bürgermeister und ÖVP-Klubchef Jakob Wolf.



Von Max Strozzi

Umhausen – Den von der Landesregierung beschlossenen Zuschuss von mehr als 400.000 Euro für ein „Explorer-Hotel“ deutscher Investoren in Umhausen hatte nicht nur NEOS-Chef Dominik Oberhofer als Wettbewerbsverzerrung kritisiert. Schließlich kam das Landesgeld aus dem hauptsächlich für Industrie-KMU vorgesehenen Impulspaket Tirol. Aus diesem Fördertopf erhalten andere Branchen nur bei überregionaler Bedeutung eines Projekts einen Zuschuss. Auch Josef Falkner, Präsident der Tiroler Tourismusvereinigung, äußerte seinen Unmut über die Einzelförderung für das Hotel in Umhausen.

Jakob Wolf, Umhausens Bürgermeister, ÖVP-Klubchef und Landtagsabgeordneter, verteidigt den Zuschuss für das Hotel in seiner Ötztaler Gemeinde. Gleichzeitig betonte er, kein Mitglied der Landesregierung zu sein, die ja den Zuschuss beschlossen hat. „Mir ist es aber lieber, wenn neue Investoren kommen, als wenn Hotels an Russen verkauft werden“, so Wolf in Anspielung auf den Verkauf dreier Hotels vor einigen Jahren in Sölden, Falkners Heimatgemeinde. Bei Förderungen werde „immer eine Portion Neid dabei sein“, meint Wolf.

In ihrer Stellungnahme zur Förderung für das Billighotel – das hauptsächlich auf junge Klientel abzielt – hatte die Gemeinde Umhausen den Rückgang der Privatzimmervermietungen geltend gemacht, der durch das Hotel kompensiert würde. Hätte man mit den mehr als 400.000 Euro nicht gleich die Umhauser Privatzimmervermieter stärken können? „Förderentscheidungen sind immer schwierig. Man muss im Tourismus die gesamte Förderungskulisse anschauen, es gibt jede Menge anderer Förderungsmöglichkeiten“, so Wolf.

Damit ein Tourismus-Projekt Geld aus dem Impulspaket erhält, muss das Vorhaben „ein auch überregional gesehen überdurchschnittliches neues Angebot“ schaffen, mit dem „erhebliche positive Auswirkungen auf die regionale Wirtschafts- und/oder Beschäftigtenstruktur verbunden sind“. Worin aus seiner Sicht die überregionale Bedeutung des Explorer-Hotels liege? „Ich bin nicht dazu berufen, die Förderrichtlinien zu interpretieren“, sagt Wolf. „Wenn die Privatzimmervermietung sinkt, ist das aber schon ein Argument.“