Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 18.05.2018


Osttirol

Kraftwerk am Matreier Tauernbach: Einsprüche einkalkuliert

Die Tiwag will am Matreier Tauernbach 91 Millionen Euro in ein Ausleitungskraftwerk investieren. Sie rechnet mit einem Baubeschluss frühestens für 2020 – und mit Widerständen durch den Instanzenweg.

© TiwagDie schematische Darstellung des Tauernbach-Kraftwerks zeigt das Projekt von der Wasserfassung bei der Schildalm (rechts unten) bis zum Krafthaus bei Gruben. Das Naturjuwel Prosseggklamm wird laut Tiwag nicht angetastet.Visualisierung: Tiwag



Von Catharina Oblasser

Matrei i. O. – Das Tiwag-Kraftwerk am Matreier Tauernbach nimmt langsam, aber sicher Gestalt an. Die Planung läuft seit 2006, im Jänner 2013 hatte der Tiroler Stromversorger das Projekt eingereicht. Nun steht die mündliche Verhandlung zur Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) kurz bevor. Sie soll vom 4. bis 7. Juni in Innsbruck stattfinden.

Am Donnerstag waren Tiwag-Vorstandsdirektor Johann Herdina und Projektleiter Wolfgang Stroppa nach Matrei gekommen, um über das Kraftwerk Tauernbach-Gruben zu informieren. Stolze 91 Millionen Euro will die Tiwag dafür in die Hand nehmen. „91 Millionen nach jetzigem Geldwert. Bis wir mit dem Bau beginnen, kann die Summe schon höher geworden sein“, sagt Herdina.

Die Eckpunkte des Projekts sind die Fassung des Tauernbach-Wassers bei der Schildalm, Druckstollen und Druckrohrleitung sowie ein oberirdisches Krafthaus mit zwei Turbinen im Matreier Ortsteil Gruben. Laut Projektleiter Stroppa soll das Kraftwerk genug Strom erzeugen, um 20.000 Haushalte zu versorgen. Allerdings muss es dafür erst errichtet werden. Und wie lange es bis dahin dauert, ist noch unklar. Die reine Bauzeit beträgt laut Stroppa etwa dreieinhalb Jahre. Vorher braucht es einen positiven Baubescheid.

„Wir rechnen mit dem Beschluss nicht vor 2020 oder 2021“, sagt der Tiwag-Vorstandsdirektor. Widerstände werde es sicherlich geben. „Wir gehen davon aus, dass die Verhandlungen bis in die zweite Instanz gehen werden. Das zeigen unsere Erfahrungen aus anderen Projekten“, so Herdina.

Betrachtet man die Geschichte des Vorhabens, so entsteht der Eindruck, dass es auf ein paar Jahre mehr oder weniger nicht mehr ankommt. Das Projekt geht nämlich bis 2004 zurück. Damals wollte die Tiwag am Tauernbach bei Raneburg ein Pumpspeicherkraftwerk errichten. Die Matreier und viele andere Osttiroler waren damit nicht einverstanden und protestierten vehement. Schließlich ließ die Tiwag den Pumpspeicher in der Schublade verschwinden und überarbeitete den Plan.

Im Lauf der Jahre wurde auch der Frosnitzbach herausgenommen und die Bewahrung des Naturjuwels Prosseggklamm gesichert. „Die Rückgabe des Wassers an den Tauernbach erfolgt noch vor der Prosseggklamm“, beschreibt Wolfgang Stroppa am Donnerstag den aktuellen Projektstand.

Ein weiteres Problem war die Befürchtung, die Bauarbeiten könnten für überbordenden Lkw-Verkehr im Tal sorgen. Dem will die Tiwag mit einer Deponie beim Stollenportal begegnen.

Noch vor den UVP-Verhandlungen in Innsbruck lädt die Tiwag nächste Woche zu einer öffentlichen Informationsveranstaltung ein. Diese findet am Donnerstag, den 24. Mai, im Pfarrsaal von Matrei statt und dauert von 10.30 bis 15 Uhr.