Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 18.05.2018


Exklusiv

Verkauf von GE Jenbacher: Österreicher unter Bietern

In wenigen Wochen sollen die Würfel über den Käufer des Jenbacher-Werks fallen. Tirols Politik und Gewerkschaft würde eine Austro-Lösung gefallen.

© GE JenbacherJenbacher läuft heuer auf Hochtouren, es gibt ein zweistelliges Auftragsplus.



Von Alois Vahrner

Innsbruck – Der US-Riese General Electric will, wie berichtet, auch wegen des Drucks von Investoren heuer mit dem Verkauf von Beteiligungen insgesamt 10 Mrd. Dollar einspielen. Versilbert werden soll auch die GE-Sparte für dezentrale Energieerzeugung und damit auch der Tiroler Gasmotorenhersteller Jenbacher. Bereits bis Mitte des Jahres soll die Entscheidung über die Käufer fallen, bis zum Jahreswechsel soll der Deal abgewickelt sein.

Das Interesse an Jenbacher ist sehr groß, wenn es vom US-Mischkonzern auch keine näheren Details zum Bieterrennen gibt. Zuletzt wurde aber intensiv über Offerte etwa des finnischen Mitbewerbers Wärtsila oder des US-Konkurrenten Cummins ebenso spekuliert wie über Angebote mehrerer Finanzinvestoren wie Advent, Bain, CVC, KKR. Hier gut im Rennen sein soll auch die österreichische B&C Industrieholding, die in ihrem Stiftungszweck dezidiert die Förderung des heimischen Unternehmertums sowie die langfristige Bindung österreichischen Vermögens im Land anführt. Die B&C Holding hat ein Beteiligungsportfolio (u. a. mit AMAG, Lenzing und Semperit) im Wert von mehr als 2 Mrd. Euro.

Sympathie für eine österreichische Lösung, so eine solche zustande käme, hätten sowohl Tirols LH Günther Platter als auch die Gewerkschaft. Sowohl Platter als auch ÖGB-Chef Philip Wohlgemuth betonten auf Anfrage, dass sie auch in intensivem Kontakt zum Betriebsrat in Jenbach seien. Wichtig sei eine Lösung, die sowohl den Standort als auch die Arbeitsplätze nachhaltig absichert. „Wichtig ist ein Käufer mit langfristiger Absicht und nicht aus Spekulationsgründen“, sagt Wohlgemuth.

Martin Mühlbacher, Jenbacher-Werkschef
- GE Jenbacher

Laut Jenbacher-Standortchef Martin Mühlbacher herrsche im Werk Optimismus und Ruhe. Der Standort sei hervorragend aufgestellt und laufe auf vollen Touren. Weltweit seien derzeit 19.000 Gasmotoren aus Jenbach im Einsatz, von ganz Europa bis Nordamerika bis nach Asien („von der Bekleidungsindustrie in Bangladesch bis zur mit 3 Mio. Hühnern größten Hühnerfarm Chinas“). Heuer gebe es ein zweistelliges Auftragsplus. „Die Kunden haben höchstes Vertrauen in unsere Qualität.“ Jenbacher sei „eine Perle“, hochmodern, effizient und laut Mühlbacher mit einem absolut zukunftsträchtigen Produkt, das Strom und Wärme erzeuge, das überall einsetzbar sei und das eine hervorragende Ergänzung zur Energiewende sei, weil die Anlagen binnen ein bis zwei Minuten hochgefahren werden können.

50 zusätzliche Mitarbeiter werden dringend gesucht.
- GE Jenbacher

General Electric habe seit der Übernahme im Jahr 2003 insgesamt über 300 Mio. Euro in den Ausbau des Werks investiert. Der Umsatz habe sich seither versiebenfacht, die Zahl der Mitarbeiter sei von gut 1000 auf 1600 (dazu 230 Leiharbeiter) gestiegen. Allein im Vorjahr habe man um 80 Jobs aufgestockt, zurzeit suche man intensiv 50 zusätzliche Arbeitskräfte, so Mühlbacher. „Wir leben bereits Industrie 4.0 mit Digitalisierung und Robotern. Aber trotz Automatisierung wächst unser Personalstand weiter.“