Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 19.05.2018


Reutte

Ein Jubelergebnis zum Jubiläum

Die Sparkasse Reutte freut sich über eine Eigenmittelquote von 22,4 %, das Geschäftsergebnis 2017 betrug 2,2 Millionen Euro. BM Oberer sorgte für „Schrecksekunde“ bei seiner Festrede.

© Mittermayr



Von Helmut Mittermayr

Reutte – Donnerstagabend feierte die Sparkasse Reutte mit weit über 200 geladenen Gästen groß in der Ehrenberg-Arena – denn vor 100 Jahren wurde das Institut aus der Taufe gehoben. Vorstandsvorsitzender Walter Hörtnagl und Vorstand Franz Guem nahmen den runden Geburtstag zum Anlass, bereits zuvor die Bilanz 2017 öffentlich zu präsentieren. Und das Ergebnis war angesichts einer im Wandel befindlichen, gebeutelten Bankenwelt ein mehr als herzeigbares. Hörtnagl erfreut: „Wir stehen sehr gut da.“

Guem, zuständig für die Marktfolge, nannte eine Bilanzsumme von 385 Millionen. Das Ergebnis vor Steuern, quasi der Gewinn, betrug 2,2 Millionen. Eine Kennziffer, auf die beide stolz waren: Die Eigenmittel von 34,8 Millionen ergeben ein Quote von 22,4 Prozent und liegen damit weit über den gesetzlich vorgeschriebenen acht Prozent. Kundeneinlagen von 337,8 Mio. stehen Kundenkrediten von 259,2 Mio. gegenüber. In Zeiten von Negativzinsen, die Banken bei Primärmitteln zu bewältigen haben, sei bei der Sparkasse Reutte der Loan-to-Deposit-Wert, also das direkte Verhältnis zwischen Ausleihungen und Einlagen, mit 76,6 % sehr beruhigend.

Beruhigung auch in einem ganz anderen Bereich: 71 Mitarbeiter betreuen derzeit mehr als 17.700 Kunden in allen Talschaften des Bezirkes (sowie im Allgäu). Nach der kürzlichen Schließung von drei Filialen sind die verbliebenen fünf plus Hauptanstalt „save“, hieß es vonseiten der Bankführung. Auch an der Mitarbeiterschraube, derzeit 71, werde angesichts des Geschäftserfolges sicher nicht gedreht. In vier bis fünf Jahren stünden einige Pensionierungen an, aber das sei ja ein ganz und gar gewöhnlicher Vorgang, hieß es.

Die Haftung der Marktgemeinde Reutte sei von 367 Millionen im Jahr 2007 auf inzwischen 31 Millionen gesunken – und nie schlagend geworden. Tendenz fallend. Hörtnagl glaubt, dass nur zwei bis drei Millionen längerfristig stehen bleiben werden. Seit der Umwandlung der Sparkasse in eine Aktiengesellschaft gehört sie sich über eine Stiftung quasi selbst, nicht mehr (indirekt) der Gemeinde.

Zurück auf Ehrenberg: Dort gab es am Abend darauf für die Banker inmitten der amikalen Feierstimmung dann doch eine „Schrecksekunde“. Dafür sorgte Reuttes Bürgermeister Alois Oberer in seiner Festansprache. Er erinnerte in seiner historischen Rückschau auch an die 90er-Jahre, als der mögliche Verkauf der Bank den Ort Reutte in zwei unversöhnliche Lager gespalten hatte und letztlich von einer knappen Mehrheit in Gemeinde- und Aufsichtsrat sowie dem Vorstand verhindert wurde. „Die Sparkasse Reutte nicht zu verkaufen, war für das Bankinstitut ein klarer Vorteil. Für die Marktgemeinde Reutte sicher nicht, vor allem, wenn man bedenkt, welche Investitionschance dies für Reutte und die Region bedeutet hätte“, sagte Oberer – und ließ die Gesichter vieler Banker auch 25 Jahre später noch einfrieren. Der Marktchef erinnerte an die Summe von 500 Millionen Schilling (36 Mio. Euro), die im Raum stand, auch heute noch fast das Doppelte des Gemeindebudgets. Oberer weiter: „Die Sparkasse Reutte wurde nicht verkauft, aber ich stehe heute aufgrund der besonderen Konstellation trotzdem nicht als Eigentümervertreter da. Dennoch hat die Gemeinde eine Haftung ohne Haftungsentschädigung zu tragen.“ Oberer erinnerte aber auch daran, dass die Privatstiftung in den letzten zehn Jahren 1,2 Mio. für wohltätige Zwecke ausgeschüttet hat. Davon eine Million an die Gemeinde.




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