Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 19.05.2018


Bezirk Schwaz

Achenseebahn: „Marchi ist bereit zurückzukehren“

Während rund um die Geschäftsführung und den ehemaligen Vorstand der Achenseebahn ein Rechtsstreit den nächsten jagt, rückt die Bahn dem Abstellgleis immer näher. Ein Vergleich wurde erneut abgelehnt.

© Zwicknagl



Von Eva-Maria Fankhauser

Jenbach – Täglich rattert direkt vor seiner Haustür die Achenseebahn vorbei. Sein Herzblut hängt daran. Doch Platz hat er in der Bahn keinen mehr. Bernhard Marchi war 25 Jahre lang Vorstand und Betriebsleiter der Achenseebahn. Sein Abgang 2013 war aber keineswegs freiwillig, er spricht von einer „feindlichen Übernahme“. Seither führen Vorstand Georg Fuchshuber und Aufsichtsratsvorsitzender Christian Kittl das Unternehmen. Seit 4,5 Jahren läuft nun ein Prozess. Eine Einigung ist noch immer nicht in Sicht.

Die Vorwürfe wiegen schwer. Auf beiden Seiten. Fuchshuber spricht von einem „langen Sündenregister“, das sich Marchi zu Schulden kommen habe lassen. Marchi sieht sich ausgebootet, man versuche, alles an ihm „abzuputzen“. Sein Anwalt Hanns Forcher-Mayr hat nun zum dritten Mal ein Vergleichsangebot auf den Tisch gelegt. Der Aufsichtsrat lehnte Donnerstagabend ab. „Dazu bedurfte es keiner Sitzung. Das war ein Umlaufbeschluss. Wir haben das Thema bereits ausgiebig diskutiert und natürlich haben wir abgelehnt“, sagt Kittl. Der Beschluss sei einstimmig von den sieben Mitgliedern gefasst worden. „Marchi für das, was er sich geleistet hat, noch Geld nachzuschmeißen, lehnen wir ab“, sagt Kittl. Für Anwalt Forcher-Mayr ist dieser Schritt nicht nachvollziehbar.

Kittl sieht „das Ganze gelassen“. Laut ihm leiste der Aufsichtsrat gute Arbeit, man habe viel weitergebracht und sei auf einem guten Weg. Insofern man wieder ins Mittelfristige Investitionsprogramm für Regionalbahnen (MIP) aufgenommen werde. „Ich bin frohen Mutes. Die geringsten Sorgen mache ich mir in der Causa Marchi“, sagt Kittl.

„Mir geht’s richtig grauslig“, sagt hingegen Marchi. Der Prozess und der jahrelange Streit gehen ihm nahe. „Man muss nun schauen, wie der Prozess ausgeht. Ich hoffe, dass bald ein Ende hergeht“, sagt er. Laut seinem Anwalt könnte die erste Instanz im Herbst fertig sein. Der Prozess kann sich aber auch noch Jahre hinziehen. Der Ausgang ist ungewiss. Aber eines ist für Forcher-Mayr klar, sollte sein Mandant gewinnen: „Eine derartige Kostenlawine wird die Achenseebahn nicht stemmen können.“

Der Prozess geht also weiter. Aber warum kam der Vergleich mit einer Abfertigung für Marchi nicht zustande? Angeblich befinde sich die Abfertigung im niederen sechsstelligen Bereich. Was werfen sich die Parteien vor? Details dürfe keine Seite während des Verfahrens verraten. Anwalt Forcher-Mayr versucht, etwas Licht in die Causa zu bringen.