Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 23.05.2018


Standort Tirol

Almauftriebe in Tirol in vollem Gange

Tausende Tiere beziehen Sommerdomizil. Anzahl gealpter Milchkühe sank drastisch.

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Innsbruck – Das Tierwohl, die Qualität der Milch und bäuerlicher Stolz sind für Andreas Eisenmann, Bauer vom Knolln-Hof in Söll, mehr als Grund genug, um Sommer für Sommer viel Zeit aufzuwenden. Bereits am 2. Mai hat der Landwirt seine Tiere – 24 Milchkühe, sechs Kälber und einen Zuchtstier – auf die auf 1100 Metern gelegene Alm aufgetrieben. „Tag und Nacht sind die Tiere auf der Weide. Nur zweimal täglich fahre ich hoch, um die Kühe zu melken“, erzählt Eisenmann.

Er ist einer von über 9000 Tiroler Bauern, die seit Anfang Mai ihr Vieh auf eine von rund 2000 Almen auftreiben – 180.000 Rinder, Schafe, Ziegen jährlich. „Momentan wird eher noch auf die Niederalmen aufgetrieben. Bis Ende Juni, spätestens Anfang Juli dürften auch die höchstgelegenen Almen auf 2600 Metern Höhe besetzt sein“, ist Josef Lanzinger, Obmann des Tiroler Almwirtschaftsvereins, zuversichtlich.

Ein Rückgang bei aufgetriebenen Tieren, bewirtschafteten Almen und genutzter Fläche sei zwar zu verzeichnen, aber nicht wirklich dramatisch. Nur bei den aufgetriebenen Milchkühen runzelt er leicht besorgt die Stirn: „Ihre Zahl beginnt wegzubröckeln. Von 2016 auf 2017 hatten wir ein Minus von vier Prozent. In den vergangenen 15 Jahre sogar rund 27 Prozent.“

Im Vergleich zu anderen Regionen in den Alpen steht Tirol laut Lanzinger noch ziemlich gut da: „In Tirol werden noch weit mehr als die Hälfte des Milchkuhbestandes aufgetrieben. Zum Vergleich: In Südtirol sind es nur vier Prozent.“

Ein Land ohne Almen mag sich Lanzinger jedenfalls nicht vorstellen. „Besonders die kleinen Almen sind das, was Einheimische und Gäste schätzen“, spielt er auch auf den touristischen Mehrwert an. „Alles in allem sind Almen wesentlich für Tirol und gehören zum Bild der Landschaft einfach dazu.“ (bfk)




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