Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 24.05.2018


Exklusiv

Hotel-Grundstück im Ötztal zum Dumpingpreis

Das von der Landesregierung mit mehr als 400.000 Euro beschenkte Explorer-Hotel in Umhausen bezahlte dank eines Tricks nur 73.500 Euro für ein Grundstück im Wert von 1 Mio. Euro. NEOS-Anwalt ortet Aufklärungsbedarf.

© BilderboxDa können Häuslbauer nur staunen: Grund im Wert von 1 Mio. Euro erhielt die Explorer-Hotelkette laut Kaufvertrag für nur 73.500 Euro.Foto: Bilderbox



Von Max Strozzi

Umhausen – Der Bau eines Explorer-Hotels in Umhausen durch deutsche Investoren hat vielerseits für heftige Kritik gesorgt. Denn die schwarz-grüne Landesregierung hat dem Hotel ausnahmsweise einen Zuschuss von mehr als 400.000 Euro aus dem vornehmlich der Industrie vorbehaltenen Fördertopf zugestanden.

Nun wirft auch der einstige Grundstückskauf durch die Explorer-Hotelgruppe Fragen auf. Konkret erwarb Explorer von einem Ötztaler Baumeister und Landwirt im August 2017 das 4900 Quadratmeter große Grundstück, das kurz zuvor von der Gemeinde in Bauland (Sonderfläche Beherbergungsgroßbetrieb) umgewidmet wurde, laut Kaufvertrag zum Spottpreis von 73.500 Euro bzw. 15 Euro je Quadratmeter. Dabei war das Grundstück zum Zeitpunkt des Verkaufs bereits rund eine Million Euro wert. Das besagt ein Gutachten, das Explorer rund um den Kauftermin in Auftrag gab. Darin beziffert der Sachverständige den Verkehrswert des Grundstücks zum Stichtag 1. August 2017 – wenige Tage vor Unterzeichnung des Kaufvertrags – mit 1,029 Mio. Euro oder 210 Euro je Quadratmeter – dem Vierzehnfachen des späteren Kaufpreises.

Angesprochen auf den eklatanten Unterschied zwischen Kaufpreis und Grundstückswert zum Kaufzeitpunkt erklärt Explorer-Geschäftsführerin Katja Leveringhaus: „Das Grundstück wurde als Freiland erworben. Sowohl für den Kauf als auch für die buchhalterische Aufwertung wurden Grunderwerbssteuer und Grundbuchgebühr ordnungsgemäß abgeführt.“ Bemerkenswert: Freilandkauf wäre genehmigungspflichtig.

Wie ist so ein „Deal“ also möglich? Ausgenutzt wird dabei offenbar die Bearbeitungszeit zwischen Umwidmung durch die Gemeinde und dem Sanktus des Landes. So widmete die Gemeinde Umhausen im Juni 2017 den Grund von Freiland in Bauland um. Der Landessegen erfolgte im September – erst dadurch wurde die Umwidmung rechtskräftig. Zwischen Gemeindeumwidmung und Landes-Sanktus erfolgte der Grundstücks-Deal. Konkret kaufte Explorer im August 2017 für 73.500 Euro somit offenbar Freiland, das zwar bereits umgewidmet (und damit 1 Mio. Euro wert) war, dies allerdings noch nicht rechtskräftig. Entscheidend: Bis zur Anzeige des Kaufs bei der BH hat man 8 Wochen Zeit: Zeit, um die rechtskräftige Umwidmung durch das Land abzuwarten und erst dann den Kauf anzuzeigen. Somit schien der Deal bei der BH nicht als Erwerb von Freiland auf – was die Grundverkehrsbehörde erst hätte prüfen müssen –, sondern als „normaler“ Erwerb von Bauland, der durchgewunken wurde. „Freiland war daher bei uns nie Thema“, sagt Andreas Nagele von der BH Imst. Entscheidend sei der Zeitpunkt der Anzeige des Kaufs sowie die Widmungsbestätigung der Gemeinde. Beides kam im September 2017.

„Zwar scheint der Verkauf legal zu sein, dennoch ist er aufklärungsbedürftig“, sagt Anwalt Johannes Margreiter von den NEOS: „Das Land als Förderungsgeber kann bei so einem offensichtlichen Missverhältnis nicht wegschauen. Wenn der Verkäufer Grund im Wert von einer Million Euro um 73.500 Euro hergibt, stellt sich auch die Frage: Was steckt sonst noch dahinter?“ Die Causa, so Margreiter, „könnte auch das Finanzamt interessieren“. Der Verkäufer hatte das Areal zwei Jahre zuvor aus einem Nachlass erworben. Bei einem Wiederverkauf um 1 Mio. Euro wären im Regelfall fast 300.000 Euro an Immobilienertragssteuer angefallen. Eine TT-Anfrage blieb unbeantwortet.

Haftung für Hotel in Osttirol?

In Osttirol will die Explorer-Gruppe ebenfalls ein Hotel am Fuße des Lienzer Hochsteins errichten. Politisch soll eine Förderung von 400.000 Euro aus dem Impulspaket des Landes für die geplanten 200 Hotelbetten wie in Umhausen bereits paktiert sein. Doch nicht nur das, schließlich versuchen die Explorer-Geschäftsführer mit ihren Designhotels in den Bundesländern Fuß zu fassen. Vier wurden schon errichtet.

So soll Explorer auch bei der österreichischen Hotel- und Tourismusbank (ÖHT) um eine Haftung für das Vorhaben in Lienz angesucht haben. Ob es dem Projektwerbern in Aussicht gestellt wird, steht noch nicht fest. Hinter den Kulissen wird jedoch bereits intensiv darüber diskutiert. Warum die Haftung? Es geht vor allem um die Übernahme von Haftungen für Fremdkapital, wenn beispielsweise das Eigenkapital nicht groß ist. Die Haftungssumme kann zwischen 100.000 und vier Millionen Euro betragen.

Voraussetzung für das Hotel in Lienz ist der Grundankauf. Der Eigentümer der Grundparzelle will diese nur im Gesamten (10.000 Quadratmeter) veräußern, die Explorer-Gruppe will jedoch lediglich 3600 Quadratmeter erwerben. Die günstige Fügung des Schicksals: Die Stadt Lienz und die Lienzer Bergbahnen benötigen ohnehin Flächen für zusätzliche Parkplätze für das Skigebiet und die Stadt.

Aktuell wird über den Grundankauf verhandelt, spätestens bis Juli soll Klarheit herrschen. (pn)