Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 03.06.2018


Standort Tirol

„Stationärer Handel muss sich neu erfinden“

© Thomas Boehm / TTSymbolfoto



Auf Einladung der Sparte Handel der Tiroler Wirtschaftskammer hat der Wirtschafts-Professor und E-Commerce-Experte Gerrit Heinemann kürzlich in einem Vortrag vor geladenen Vertretern des Tiroler Handels aufgezeigt, wohin die Reise im Handel geht.

„Das Internet und vor allem das Smartphone haben Erwartungshaltungen und Kaufverhalten komplett verändert. Schnell und einfach ist zum Standard geworden", betonte Heinemann. Die Kunden seien es mittlerweile gewohnt, Waren binnen kurzer Zeit nachhause geliefert zu bekommen, ebenso wie sie es gewohnt sind, immer und überall online sein zu können. Heute stehe die Produktauswahl an erster Stelle — „das heißt, der Kunde weiß genau, welches Produkt er will, und sucht sich dann erst den Händler", so Heinemann.

Als konkrete Handlungsempfehlung nennt er neben einer zwingend notwendigen Online-Präsenz mit Informationen über Sortiment, Öffnungszeiten oder auch Parkplatzsituation auch die Möglichkeit, die „neuen Grundbedürfnisse" der Kunden zu erfüllen und beispielsweise WLAN im Geschäft oder Gratis-Lieferung nachhause anzubieten. Heinemann kritisierte in diesem Zusammenhang besonders, dass einer Untersuchung zufolge nur 50 Prozent der Online-Präsenz des Handels auch auf Smartphones und Tablets funktioniere.

Diese Notwendigkeit des stationären Handels, sich neu zu erfinden, betonte auch der Sparten-Obmann des Tiroler Handels, Martin Wetscher. Es sei sinnvoll und notwendig, den Handel in Innenstädten und Ortskernen wie ein Einkaufszentrum zu sehen und auch so zu „managen". (hu)