Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 05.06.2018


Osttirol

Arbeitnehmer müssen weiter bangen

Bis zu 40 Arbeitsplätze für Benachteiligte stehen in Osttirol vor dem Aus. Die Politik ringt um Lösungen, will aber nichts versprechen.

© Oblasser



Von Christoph Blassnig

Lienz – Für Menschen mit geringeren Möglichkeiten am Arbeitsmarkt kann ein so genannter Transitarbeitsplatz, wie ihn das s’Gwandtl und Schindel und Holz bieten, einen Wiedereinstieg in das Berufsleben bedeuten. Rita Feldner und René Ladstätter, die Geschäftsführer der beiden Einrichtungen, haben eine Unterschriftenaktion gestartet. Denn das AMS Tirol plant dort rigorose Sparmaßnahmen, die ab dem Jahreswechsel für das s’Gwandtl das Zusperren und für Schindel und Holz die Schließung der Umweltwerkstatt bedeuten könnten – die TT berichtete. Es gehe dabei nicht zuletzt um ein Gezerr­e zwischen Geldtöpfen, bestätigt Landtagsabgeordneter Martin Mayerl (ÖVP). Die AMS-Gelder zahlt der Bund. Fallen die Transitarbeits­plätze weg, landen die Betroffenen ohne Beschäftigung etwa in der Mindestsicherung und werden dann zum Kostenfaktor für die Gemeinden und das Land Tirol.

Nun hat sich auch NR Gerald Hauser (FPÖ) in einem Pressegespräch zu Wort gemeldet. Ihm sei komplett unverständlich, warum man die Bundesregierung medial für das Problem der sozialökonomischen Betriebe verantwortlich mache, sagte Hauser. „Wir haben darauf keinerlei Einfluss.“ Ein aktueller Rechnungshofbericht stelle dem AMS kein gutes Zeugnis aus: wenig Effizienz, seit 2014 steigende Personalkosten, Strukturprobleme – und das alles als eigenständiges Unternehmen, das eben zur Effizienzsteigerung ausgegliedert worden sei. „Ich frage also das AMS Tirol, warum es ausgerechnet bei den geförderten Arbeitsplätzen, und dann auch noch so einseitig in Osttirol, sparen will. Budgetkürzungen gibt es nur aufgrund des sinkenden Asyl- und Integrationsbedarfs“, sieht Hauser die Verantwortung bei der Landesgeschäftsstelle. Dort habe man nach internen Kosten- und Erfolgsanalysen so entschieden, und nicht im Bund. Hauser zitierte aus einer E-Mail der AMS-Landesgeschäftsstelle an das Sozial­ministerium, wonach eine Anpassung der Plätze nach einer länger anhaltenden positiven Entwicklung am Arbeitsmarkt in Osttirol am ehesten vertretbar erscheine, weil im Vergleich zu anderen Regionen überproportional viele davon vorhanden seien.

Man werde sich in weiteren Gesprächen um Lösungen für die Betroffenen bemühen, sagen Mayerl und Hauser. Den beiden Sozialvereinen und ihren Mitarbeitern in Osttirol will man dennoch nichts versprechen. Eine Lösung könne auch ein Einstieg in den Arbeitsmarkt sein, so Hauser.