Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 05.06.2018


Standort Tirol

Osttirol soll in Tourismus und Landwirtschaft aufholen

Während Industrie und Dienstleister gut gedeihen, fehlt es bei anderen Wirtschaftssektoren. Eine Tagung macht Kooperationen zum Thema.

© OblasserBlick auf den Großvenediger. (Symbolfoto)



Von Catharina Oblasser

Lienz — Wie lässt sich die Wertschöpfung in Landwirtschaft und Tourismus in Osttirol steigern? Dieser Frage widmet sich die Initiative „Vordenken für Osttirol", an der auch die Landwirtschaftskammer und der Tourismusverband beteiligt sind. Vertreter beider Organisationen haben gemeinsam mit Richard Piock, dem Geschäftsführer des Standortmarketings „Innos GmbH", eine Tagung am 7. und 8. Juni organisiert. Sie soll mit Vorträgen und Beispielen aus anderen Regionen den Anstoß für ein neues Wirtschaften geben. „Wir wollen den Vorteil des regionalen Denkens herausstreichen", fasst es Piock zusammen. Die Kooperation von regionaler Landwirtschaft und Tourismus steht dabei im Vordergrund.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: So sind im Bezirk Lienz zwar 14 Prozent der Bevölkerung (auch) in der Landwirtschaft beschäftigt, doch dieser Sektor trägt nur mit 1,3 Prozent zur Wertschöpfung bei, zitiert Piock Daten der Statistik Austria. Zum Vergleich: In Südtirol seien es 6,1 Prozent der Bevölkerung gegenüber vier Prozent der Wertschöpfung. Der Tourismus trage in Osttirol 12,5 Prozent zur regionalen Wertschöpfung bei, in Nordtirol seien es aber 18 Prozent. „Wir konzentrieren uns auf Landwirtschaft und Tourismus, weil es da mehr Aufholbedarf gibt als beispielsweise bei Industrie und Dienstleistern", begründet der Innos-Geschäftsführer.

Martin Diemling, Vertreter der Bezirks-Landwirtschaftskammer Lienz, will Bauern ermuntern, auch auf nicht so gängige Produkte zu setzen: „Gemüse oder Hanf zum Beispiel." Wenn ein Produzent diese Pflanzen nicht nur erntet, sondern auch gleich weiterverarbeitet und veredelt, schneidet er damit besser ab als mit der bloßen Produktion, ist Diemling überzeugt. Und beide Männer sind sich einig, dass sich viel mehr Osttiroler Produkte auf den Speisekarten der heimischen Gastronomie finden sollten.

Programm am 8. Juni: Regio-Markt und Fachvorträge

Regio-Markt. Im Außenbereich der RGO-Arena findet von 10 bis 17 Uhr ein regionaler Bauernmarkt statt. Über 100 Osttiroler Produzenten bieten Gemüse, Fleisch, Käse, Säfte und vieles mehr an.

Vorträge. Die Vorträge der wissenschaftlichen Tagung in der RGO-Arena stehen unter dem Motto „Regionalität und regionaler Wirtschaftskreislauf". Zur Eröffnung um 9 Uhr spricht Gottfried Tap­peiner von der Uni Innsbruck. Es folgen Referate zum Thema Landwirtschaft. Den Nachmittag, der im Zeichen des Tourismus steht, eröffnet um 14 Uhr der Vortrag „Die Region als Marke im Tourismus — Osttirol als Destinationsmarke?"

Podiumsdiskussion. Um 19 Uhr findet in der Wirtschaftskammer Lienz eine Diskussion mit Pater Bernhard Bürgler statt. Thema: „Die gesellschaftliche Verantwortung der Bürger in einer Region wie Osttirol".