Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 07.06.2018


Bezirk Reutte

Milchmenge im Außerfern um 13 Prozent gestiegen

Auch wenn sie immer weniger werden: Die Stimmung bei den Bauern im Bezirk Reutte ist gut. 9,5 Millionen Liter Milch werden pro Jahr im Außerfern erzeugt und auch gleich im Bezirk verarbeitet.

© BöhmDer Großteil des Viehs verbringt den Sommer auf den Almen. Letztes Jahr wurden inklusive Fremdvieh allein 6223 Rinder aufgetrieben.



Von Simone Tschol

Außerfern – 130 Milchlieferanten gibt es derzeit im Bezirk Reutte. Und auch wenn die Zahl der Bauern in den letzten sieben Jahren stark rückläufig war, ist die im Außerfern produzierte Milchmenge im gleichen Zeitraum um 13 Prozent auf jährlich 9,5 Millionen Liter gestiegen.

Der größte Milchlieferant unter den Außerferner Bauern ist Florian Moosbrugger aus Holzgau. Er hat – inklusive Jungvieh – derzeit rund 100 Tiere im Stall, darunter 50 Milchkühe. Er ortet unter den Landwirten eine gute Stimmung, nicht zuletzt aufgrund eines Generationenwechsels. „Es sind inzwischen wieder viele junge und motivierte Landwirte am Drücker. Die Betriebe werden größer, wobei es immer noch rein familiär geführte Betriebe sind, in denen auch jede Kuh einen Namen hat“, erklärt Moosbrugger.

Den größten Vorteil – nicht nur für die Landwirte – sieht Moosbrugger in der Tatsache, dass die im Bezirk produzierte Milch auch gleich hier ver­arbeitet wird. Stichwort Regionalität: In der Käserei Biedermann in Grän sind es rund 1,6 Millionen Kilogramm im Jahr, in der Sennerei Sojer in Steeg rund eine Million und in der Molkerei Wildberg in Reutte zirka sieben Millionen. Hinzu kommen noch zahlreiche Almen, die direkt vor Ort die Milch zu Käse verarbeiten: „Dass die Wege so kurz sind, ist einzigartig in Tirol und eine Win-win-win-Situation, nämlich für die Bauern, die Sennereien und die Konsumenten. Bei uns wird Regionalität echt noch gelebt. Und das gilt nicht nur für die Milch, auch in Sachen Fleischproduktion haben wir nur sehr kurze Vertriebsweg­e.“

Schwierig sei es jedoch oft, den Kontakt zu den Konsumenten herzustellen. „Viele wissen oft gar nicht, dass sie die Produkte auch direkt bei Molkerei, Sennerei oder Käserei kaufen können“, so Moosbrugger.

Bei der im Außerfern produzierten Milch handelt es sich zum überwiegenden Teil um Heumilch. Diese wird traditionell zu Hartkäse und Käse verarbeitet. Heumilch ist EU-weit ein Nischenprodukt, welches gerade zwei Prozent des Marktes ausmacht. Daher ließe es sich auch mit dem Milchpreis leben. Moosbrugger: „Die Preispolitik wird immer noch von oben nach unten gemacht. Es wäre schön, wenn das einmal umgekehrt wäre. Bei normaler Milch ist man dem globalen Wettbewerb viel mehr ausgesetzt und muss betriebswirtschaftlich mit viel größeren Sprüngen rechnen als bei der Heumilch. Der Heumilchpreis schlägt nicht so extrem aus. Das macht es für uns leichter, auf längere Sicht zu kalkulieren.“

Auch die 101 Almen erfreuen sich großen Zulaufs, wie LK-Geschäftsführer Harald Kleiner weiß. Längst verbringen auch viele Tiere aus dem Unterland den Almsommer im Außerfern. Letztes Jahr wurden so inklusive Fremdvieh 6223 Rinder, 337 Pferde, 2567 Schafe und 65 Ziegen aufgetrieben. „Auf 25 Almen im Bezirk werden auch Kühe gemolken, acht verarbeiten die Milch direkt zu Almkäse“, so Kleiner. Auch Kammerobmann Christian Angerer ist angesichts der „Gefühlslage“ entspannt. Nicht nur er, auch Bezirksbäuerin Lisbeth Fritz orten einen neuen Schwung bei den Bäuerinnen. Diese kümmern sich vorwiegend um Direktvermarktung der Produkte – ab Hof, in Bauernläden oder auf Märkten. Fritz: „Wir haben 100 Direktvermarkter. 15 Betriebe bieten Urlaub am Bauernhof an. Die Kooperation Direktvermarktung und Tourismusverband hat sich entlang des Lechwegs positiv entwickelt. Wir dürfen nur nicht lockerlassen.“