Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 07.06.2018


Standort Tirol

Airbnb zieht Wohnungen in Tirol ab

Raum in Tirol ist knapp, die Preise hoch. Das Vermieten über Airbnb verschärft die Lage.

© BöhmWohnraum in Tirol ist knapp. Deshalb muss – vor allem in Innsbruck – höher und dichter gebaut werden.



Innsbruck – Für Tirol gilt, der Wohnraum ist knapp und daher teuer. Von 2017 auf 2018 am meisten gestiegen sind laut Immobilienpreisspiegel der Wirtschaftskammer Tirol die Verkaufspreise von gebrauchten Wohnungen, in Lienz sind die Preise mit 6,8 Prozent am meisten angestiegen, in Landeck am wenigsten (+2,3 Prozent). Auch in der Landeshauptstadt wurde der Kauf um 2,9 Prozent teurer.

Immer noch im Trend liegen auch Eigenheime, allerdings gibt es laut Immo-Spiegel um 23 Prozent weniger Grundstückskäufe (in Innsbruck-Land), gekauft wird meist vom Bauträger. Am teuersten wurden Einfamilienhäuser im Bezirk Kitzbühel (+4,1 Prozent), im Bezirk Schwaz stiegen die Preise durchschnittlich nur um 1,5 Prozent.

Auch in Innsbruck wird gebaut, der Kauf einer Neubauwohnung habe sich aber nur relativ gering verteuert (in Innsbruck +2,2 Prozent) allerdings könne sich das trotzdem kaum jemand noch leisten, erklärt Arno Wimmer, Bundesberufsgruppensprecher der Immobilienmakler: „Wohnen in der Stadt ist zu teuer.“ 5000 Euro pro Quadratmeter seien für Normalverdiener nicht leistbar. Für junge Familien gebe es dann zwei Optionen, entweder Mieten (wobei immer mehr kleinere und damit teurere Wohnungen gebaut werden) oder in die Umlandgemeinden ziehen. Damit wachse der Druck auf die Umlandgemeinden. „Diese wollen aber nicht die Wohnungsprobleme der Stadt lösen“, sagt Wimmer. Ebenfalls zum Problem für die Umlandgemeinden würden die Kosten für Infrastruktur. Schulen und Kindergärten müssen in vielen Orten nahezu jährlich ausgebaut werden.

Mieten werde ebenfalls immer teurer – abhängig von der Lage und vom Zustand der Wohnung. Ältere Wohnungen seien oft wenig saniert und durch die Höhe der anfallenden Betriebskosten teuer. Bei einem Zuzug von durchschnittlich 2000 Personen nach Innsbruck müssten also jährlich ca. 1000 Wohnungen gebaut werden, rechnet Wimmer vor. Um den Druck am Wohnungsmarkt zu mindern, helfen Baulandmobilisierung oder Verdichtung. Problematisch, sagt Wimmer. Der Eingriff in Eigentumsrechte, um Zugriff auf bereits gewidmetes Bauland zu bekommen, sei kaum durchzusetzen. Eine Verdichtung werde sehr oft von den Bewohnern abgelehnt. Auch eine Leerstandserhebung kann sich der Immo-Experte nicht vorstellen. Außer bei den gemeinnützigen Wohnträgern, diese könnten Leerstände auch sehr leicht erheben.

Weit gefährlicher für den Wohnungsmarkt sei laut Wimmer Airbnb. Zwischen 500 und 700 Wohnungen würden in Tirol bereits über die Internet-Plattform vermietet. Mit Konfliktpotenzial, denn zur Vermietung brauche es eine Umwidmung. Und es gebe Auswüchse: Sogar wohnbaugeförderte oder städtische Wohnungen würden vermietet. Hier sei die Politik gefordert. (ver)




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