Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 08.06.2018


Bezirk Landeck

„Trotz niedriger Strompreise für Nauders rentabel“

Bürgermeister Helmut Spöttl zählt das Stillerbach-Kraftwerk zu den besten Investitionen der Gemeinde. Strom wird derzeit an Öko-Anbieter verkauft.

© Wenzel



Von Helmut Wenzel

Nauders – Es war ein mühsamer Weg. Die Idee, den Stil­lerbach in Nauders zur Stromproduktion zu nutzen, geht auf die 90er-Jahre zurück.

Doch seit November 2013 drehen sich die Turbinen im Krafthaus am Inn. Das Kleinkraftwerk produziert jährlich 8,5 bis 9,5 GWh Strom. „Voriges Jahr waren es 8,7 GWh, weil der Bach weniger Wasser lieferte“, weiß Bürgermeister Helmut Spöttl, der alle Kennzahlen am Bildschirm in seinem Büro hat.

Spöttl findet nur lobende Worte über das zu 100 Prozent in Gemeindebesitz befindliche Kraftwerk und spricht von einer „der besten Investitionen, die Nauders jemals getätigt hat“. Die Investitionskosten lagen bei 4,9 Mio. Euro. Freilich habe man beim Bau ein Darlehen mit 20 Jahren Laufzeit aufnehmen müssen. „Aber die Rückzahlung können wir aus den laufenden Erträgen locker bedienen.“ Ab 2019 spüle das Kraftwerk bereits fünfstellige Beträge in die Gemeindekassa. Weil man mit den Rückzahlungen „gut im Rennen liege“.

Neben der Wassermenge, die der Bach zur Stromproduktion hergibt, hänge der Betriebserfolg vom Einspeisetarif ab. Zunächst habe man den Strom an die Tiwag verkauft. „Wir schreiben den Energieverkauf jährlich neu aus“, so Spöttl, „heuer ist unser Abnehmer ein Anbieter in Wien.“ Der österreichische Anbieter „Naturkraft GmbH“ wirbt mit grünem Strom – Solarenergie, Windkraft und Wasserkraft speziell aus Kleinkraftwerken. Und er war heuer mit 3,3 Cent pro Kilowatt der Bestbieter für Nauders. Die kleine Rechenaufgabe, die Spöttl stellt, ist unschwer zu lösen: „Ein Cent pro Kilowatt bringt uns einen Erlös von 85.000 Euro.“

Effizienz und Rentabilität würden vor allem in der Fallhöhe des Kraftwerks liegen. „Es handelt sich um ein Hochdruckkraftwerk mit der enormen Fallhöhe von 192 Metern“, erläuterten die Kraftwerksplaner 2013. Die damals berechnete Strommenge von durchschnittlich 8,5 GWh sei auch bei geringer Wasserführung des Stillerbaches übertroffen worden.

Heuer stehe vergleichsweise viel Wasser zur Verfügung, „womit wir gute Erträge erwarten dürfen“, stellt der Bürgermeister fest. Die Bevölkerung von Nauders profitiere langfristig und nachhaltig, „weil wir mehr und attraktive Projekte umsetzen können.“