Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 08.06.2018


Bezirk Schwaz

Zillertalbahn: Rückenwind für Wasserstoff

Wasserstoff-Brennzellen können Energie speichern, was energiepolitisch wichtig sei, erklärte LHStv. Josef Geisler.

© TT/Angela DählingWasserstoff-Brennzellen oder Oberleitung? Die Meinungen darüber, wie die Zillertalbahn künftig angetrieben werden soll, gehen auseinander.Foto: Dähling



Von Angela Dähling

Jenbach – LHStv. Josef Geisler verteidigt die Entscheidung des Aufsichtsrates der Zillertalbahn, die Schmalspurbahn auf Wasserstoffantrieb umzurüsten. Wie gestern berichtet, hatten die Ingenieure Friedrich Gruber und Ingobert Adolf ihre Bedenken über diese Pläne geäußert. Zu kostspielig, zu risikoreich, keine Langzeiterfahrungen, zu hoher Energieverbrauch lauteten einige Argumente.

„Die Zillertalbahn hätte sich nicht dazu entschlossen, wenn das Ganze zu risikoreich wäre. In ganz Europa sind wasserstoffbetriebene Busse auf dem Vormarsch“, meint dazu Geisler und kritisiert, dass „ständig so genannte Experten alles besser wissen, obwohl sie keine sind“. Wasserstoff-Brennzellen können Energie speichern, was energiepolitisch wichtig sei. Beim Oberleitungsbetrieb ginge das nicht, führt Geisler aus.

„Der Wirkungsgrad von Wasserstoff-Brennzellen liegt nicht, wie berichtet, bei unter 30 Prozent, sondern bei 60 Prozent“, erklärt Geisler. Damit werde daher auch nicht dreimal so viel Strom wie für den Betrieb mit Oberleitung benötigt. „Das ist eine Bilanzierungsfrage“, entgegnet der Innsbrucker HTL-Professor Ingobert Adolf. „Der Wirkungsgrad der Wasserstoff-Brennszelle liegt zwar bei 60 Prozent, aber man darf den Wasserstoff-Herstellungsprozess nicht vergessen.“ Beginnend beim Strom, mit dem mittels Elektrolyseur Wasserstoff erzeugt wird und endend bei der Rad-Schienen-Berührung. In diesem Prozess schrumpfe der Wirkunsgrad auf 30 Prozent, bei der Oberleitung liege er indes bei 90 Prozent, erklärt der Experte für Energietechnik.