Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 10.06.2018


Standort Tirol

Schüler forschen in den Ferien: Tirol bei „Talente-Praktika“ vorn

Ein etwas anderer Sommerjob: Schüler, die sich für Technik und Naturwissenschaften interessieren, können in Forschungseinrichtungen und Unternehmen arbeiten.

© E+In Tirol kommen bei den Talente-Praktika besonders viele junge Mädchen zum Zug. Sie könnten die Forscherinnen der Zukunft werden, nach denen viele Unternehmen händeringend suchen.Symbolfoto: iStock



Von Brigitte Warenski

Innsbruck, Wien – Erstellen einer Online-Bibliothek zur Pfadplanung von Drohnen, Untersuchung von Körnerleguminosen hinsichtlich Ertragsmenge und -qualität, Vermessung des Ionenstrahls am Teilchenbeschleuniger VERA: Damit Österreichs Forschernachwuchs gesichert ist und junge Talente entdeckt und gefördert werden, können Jugendliche ab 15 Jahren Praxis­erfahrungen in Naturwissenschaft und Technik sammeln.

„Die Talente-Praktika erlauben, Forschung hautnah zu erleben, und helfen vielleicht dabei, dass junge Menschen auf den Geschmack kommen, später in hochqualifizierten Unternehmen oder Forschungseinrichtungen zu arbeiten“, sagt Alexander Kosz, Pressesprecher der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG). Die FFG fördert die Talente-Praktika und bietet eine Online-Praktikabörse (www.praktikaboerse.com) an, „die bis Ende Juni laufend aktualisiert wird. Vielleicht auch eine Chance für Spätentschlossene, die für 2018 noch kein Sommerpraktikum – für das sie auch bezahlt werden – haben“, so Kosz.

Ganz vorne bei den angebotenen Stellen ist Tirol. „In den letzten Jahren konnten wir im Schnitt jedes Jahr rund 70 bis 100 Talente-Praktika in Tirol fördern, die Tendenz ist steigend. 2017 gab es bereits 121 Praktika in Tirol, das ist fast ein Zehntel aller Talente-Praktika (8,6 %)“, erklärt Kosz. In Tirol kommen besonders viele junge Frauen zum Zug: 46 % Mädchen (43 % österreichweit). Die Hälfte der Tiroler Praktikanten geht in eine AHS, circa jeweils ein Viertel in HTL und sonstige Schulen (z. B. HAK). Unter den Einrichtungen, die jedes Jahr Plätze vergeben, ist unter anderem die Leopold Franzens Universität in Innsbruck. „Wir sehen darin eine große Chance für alle jene, die später an ein Studium denken und Einblick in die Forschung bekommen wollen.“

Die Talente-Praktika sind Teil des Förderschwerpunkts „Humanressourcen/Karriere in der Forschung“. An die Talente-Praktika schließt das Programm FEMtech Praktika für Studierende an. „Hier lernen Studentinnen und Studenten in technischen oder naturwissenschaftlichen Studienrichtungen berufliche Ein- und Aufstiegswege kennen und erhalten einen fundierten Einblick in die angewandte Forschung und Entwicklung“, erklärt Kosz.

Pflichtpraktikum: Hier gibt es Geld

An bestimmten berufsbildenden Schulen wie HTL, HAK/HASCH und HBLA ist im Lehrplan festgelegt, dass die Schüler ein Pflichtpraktikum absolvieren müssen. Und das ist nicht immer so leicht, wie Vera Lochmann von der Arbeiterkammer Tirol weiß. „Es wird immer schwieriger, einen Praktikumsplatz zu finden. Wichtig ist vor allem, im Vorfeld zu klären, ob man Anspruch auf eine Entlohnung hat. „Im Tourismus, Handel und Metallbereich gibt es kollektivvertragliche Regelungen, auch zur Bezahlung: Hier ist für Praktikanten eine Entlohnung in Höhe der jeweiligen Lehrlingsentschädigung vorgesehen." In anderen Bereichen ohne KV-Regelung muss individuell ausgemacht werden, ob es Geld gibt. Vorab sollte man sich laut Lochmann auch über die Arbeitszeiten erkundigen und „ob man bei der Sozialversicherung angemeldet ist". Weitere Informationen unter Tel. 0800/225522/1566. Wer noch eine Praktikumsstelle oder einen Ferialjob sucht, ist beim InfoEck richtig. Online gibt es bei www.jobscope.at noch immer viele Angebote, „vor allem im Handel und Tourismus", so die stv. InfoEck-Leiterin Julia Wolfschütz. (wa)