Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 17.06.2018


Wirtschaft im Gespräch

Goldschmied Norz: Mit eigenem Schmuck gegen das Markendiktat

Der Innsbrucker Goldschmied Norz hat sein Geschäft umgestaltet und an das veränderte Einkaufsverhalten der Menschen angepasst.

© Julia HammerleDialog zwischen innen und außen: Andrea und Christoph Norz mit ihrem Schmuck.



Goldschmied Juwelier Norz in Innsbruck zeigt sich seit Kurzem in neuem Gewand. Warum wurde das Geschäft umgestaltet?

Christoph Norz: Unser Geschäft dient als Bühne für unseren Schmuck. Und genau diese Bühne haben wir auf die Höhe der Zeit gebracht, damit in einem stimmigen Ganzen der Schmuck entsprechend präsentiert werden kann.

Was erwartet die Kunden jetzt?

Andrea Norz: Es ist ein Dialog zwischen innen und außen entstanden. Ziel der Neugestaltung war, das Geschäft nach außen zu öffnen: Die abgeschotteten Schaufenster gehören der Vergangenheit an. Die Kunden genießen die neue Transparenz, die sich nun auch in der Präsentation der Schmuckstücke niederschlägt. Kommt ein Kunde zu uns ins Geschäft, ergibt sich ein kleiner Rundgang für ihn. Er hat Zeit anzukommen, sich wohlzufühlen und zu orientieren. Das Einkaufsverhalten der Menschen hat sich in den vergangenen 15 Jahren verändert. Meine Generation betritt ein Geschäft und erwartet eine Beratungssituation. Jüngere Menschen hingegen möchten zuerst gustieren, erst daraus ergibt sich vielleicht ein Beratungswunsch.

Wie würden Sie Ihre Kunden beschreiben?

Christoph Norz: Was sie alle eint, ist die Begeisterung für Schmuck. Sie sehen ihn nicht einfach nur als Konsumware, sondern als etwas Nachhaltiges, etwas Besonderes und Ausgefallenes. Das können wir ihnen mit dem Herzstück unseres Betriebes — der Werkstatt, die ebenso auf dem neuesten Stand der Technik ist — bieten. Dort werden unsere Kollektionen gestaltet, die von mir kreiert werden. Dafür steht Norz und das schätzen unsere Kunden.

Geht man durch Innsbruck und schaut sich die Schmuckgeschäfte an, fällt das Match Eigenkreationen gegen Schmuckmarken auf. Wie sehen Sie diesen Wettbewerb?

Christoph Norz: Das ist eine Herausforderung, wie in allen anderen Bereichen werden auch beim Schmuck Marken immer stärker. Daher muss man sich bewusst und stark positionieren. Wir forcieren unsere Werkstatt und setzen zu etwa 80 Prozent auf Eigenkreationen. Auf diesem Gebiet sind wir sehr erfolgreich und unterliegen damit nicht dem Markendiktat. Marken schreiben beispielsweise vor, wie viele Laufmeter Schaufenster oder wie viele Vitrinen ihnen zur Verfügung gestellt werden müssen. Wir hingegen können das alles selbst bestimmen.

Andrea Norz: In einer Welt, in der alles immer ähnlicher wird, profitieren wir so von der Sehnsucht nach Individualität und Qualität.

Sie führen ja auch keine Uhren.

Christoph Norz: Sie gehören zum klassischen Marken- und Handelsgeschäft und das ist nicht unser Weg. Für viele Goldschmiede sind Uhren der große Aufhänger, mit dem sie sich präsentieren. Wir verfolgen den umgekehrten Weg: Wir möchten selbst die starke Marke sein, wegen der der Kunde ins Geschäft kommt.

Vor welchen Hürden steht die Branche in den nächsten Jahren?

Andrea Norz: Wir müssen das Bewusstsein für Werte erhalten: echtes Metall und nicht irgendetwas, das so aussieht als ob.

Denn der Modeschmuck wird immer stärker.

Christoph Norz: Ja, er hat natürlich seine Berechtigung. Wir sind der Gegenpol zu dieser Entwicklung.

Das Gespräch führte Frank Tschoner