Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 12.06.2018


Exklusiv

Runde zwei im Streit um Anleger-Suite in Galtür

Dass sich ein Frühstücksraum in eine Investoren-Suite verwandelte, will Galtürs BM Mattle nicht akzeptieren und geht in Revision.

© TVB Paznaun-IschglDie Gemeinde Galtür ging bisher vergeblich gegen die Umwandlung eines Frühstücksraums in eine Ferienwohnung für Anleger vor.



Von Max Strozzi

Galtür – Wie sehr Immobilien-Investoren die Situation in Tirol ausreizen, hatte zuletzt ein Fall in Galtür gezeigt. Dort wurden bei einem so genannten Investoren-Modell – dabei kaufen finanzstarke Investoren Wohnungen und lassen sie von einem Hotelbetreiber an Touristen weitervermieten – sogar die Frühstücksräume des Gebäudes kurzerhand in eine Wohnung für Anleger verwandelt. Galtürs Bürgermeister und Landtags-Vizepräsident Anton Mattle (ÖVP) ging dagegen vor, weil aus seiner Sicht mit dem Wegfall der Frühstücksräume die gesetzlich vorgeschriebenen Gemeinschaftsräume fehlen würden, wodurch alle 17 Investoren-Wohnungen in dem Gebäude illegale Freizeitwohnsitze wären – die TT berichtete.

Vor dem Landesverwaltungsgericht blitzte die Gemeinde jedoch ab, das Gericht entschied zugunsten der Investoren. Und zwar hauptsächlich aus formalen Gründen. So habe etwa der Anwalt der Investoren der Gemeinde die Umwandlung von Frühstücksraum in Anlegerwohnung mittels einer schlichten E-Mail mitgeteilt. Die Gemeinde habe daraufhin die Frist versäumt, dagegen vorzugehen. Mit der Frage, ob es zu wenige Gemeinschaftsräume gibt (und damit alle Wohnungen illegale Freizeitwohnsitze wären), habe sich das Gericht somit nicht mehr beschäftigen müssen.

Nun läutet Galtür die nächste Runde ein. Die Gemeinde geht gegen das Urteil in außerordentliche Revision, wie BM Mattle auf TT-Anfrage erklärte. „Wenn dort an einem Tag ein Frühstücksraum ist, am nächsten Tag aber eine Wohnung, geht das nicht“, ärgert sich Mattle. Rein formal dürfte es bei der Revision beispielsweise u. a. um die E-Mail des Investoren-Anwalts gehen, mit der er die Gemeinde über die Umwandlung von Frühstücksraum in eine Anleger-Wohnung benachrichtigt hatte.

Der Fall wirft aber auch einen Schatten auf die Bodenpolitik des Landes. Wenn Frühstücksräume kurzerhand in eine Ferienwohnung für Immobilien-Investoren verwandelt werden können, stehen Raumordnung und Grundverkehr einmal mehr auf dem Prüfstand. Zwar wurden die Vorgaben für solche Investoren-Modelle zuletzt etwas verschärft, für die Liste Fritz zeige der Fall Galtür aber „das Desaster der Tiroler Raumordnungspolitik“.