Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 14.06.2018


Bezirk Reutte

Autohändler Schweiger übernimmt Schwarzen Adler in Reutte

„Ich bin so stolz, dass ich das schönste Gebäude Reuttes erwerben habe dürfen“, freut sich der Reuttener Autohändler Hans Schweiger, der den denkmalgeschützten Gasthof von Grund auf sanieren wird.

© Mittermayr HelmutÖsterreichs größter VW-Audi-Händler Hans Schweiger (l.) hat den über 500 Jahre alten Reuttener Gasthof Schwarzer Adler gekauft. Mit im Bild strahlen Vorbesitzer Edi Glätzle und Simon Schweiger (r.).Foto: Mittermayr



Von Helmut Mittermayr

Reutte – Hat er oder hat er nicht? Er hat! Die monatelangen Spekulationen im ganzen Reuttener Talkessel entluden sich Dienstagvormittag in einer Unterschrift. Hans Schweiger erwarb den altehrwürdigen Reuttener Gasthof Schwarzer Adler um eine halbe Million Euro. Der Black Eagle, wie er im Volksmund auch genannt wird, war seit über 100 Jahren im Besitz der Familie Hornstein/Glätzle. Edi Glätzle, seit 36 Jahren dort tätig und viele Jahre der Chef, griff ebenfalls zur Feder und besiegelte den Verkauf.

Hans Schweiger ist geradezu euphorisch: „Ich bin so stolz, dass ich den Schwarzen Adler kaufen habe dürfen. Für mich ist dieses Gebäude immer schon das schönste von ganz Reutte gewesen.“ Und weiter lachend: „Und ich bin auch ein Depp, aber ich will etwas für den Markt Reutte machen, der mir so ans Herz gewachsen ist.“ Schweiger erklärt, dass er – wer ihn kenne, wisse das – so ein Haus nicht kaufe, um es verfallen zu lassen. Selbstverständlich werde alles saniert, teils auch vollkommen erneuert. Der vordere, historische Teil stehe unter Denkmalschutz und gemeinsam mit den Behörden werde die Sanierung angegangen. „Die Fassade lasse ich komplett restaurieren, das Dach wird wohl gerichtet werden müssen. Eine Trockenlegung der Gemäuer ist notwendig.“ Auch weitere bisher nicht als Gasträume genutzte Bereiche, etwa das so genannte „nasse Ecke“, das auf besondere Trinkfreudigkeit früherer Zecher schließen lässt, sollen wiederhergestellt werden. Ein kleiner Saal wartet auf Wiedereröffnung.

Der hintere Teil des Gebäudes aus den 1970er-Jahren habe eine gute Substanz – erzählt Schweiger der Tiroler Tageszeitung –, werde aber nahezu ausgehöhlt. Die 16 Zimmer in diesem Bereich würden auf Neuzeitniveau gebracht. In einem späteren Schritt kann sich Hans Schweiger vorstellen, im Innenhof – insgesamt hat er samt Hotel 2000 Quadratmeter Grund erworben – einen Trakt mit weiteren kleineren Zimmern sowie eine Tiefgarage zu errichten. Auf den Bürgermeister hält Schweiger große Stücke: „Eigentlich hatte ich mir ja überlegt, neue Wohnungen zu errichten. Dann hat BM Alois Oberer zu mir gesagt: ,Hans, das kannst du nicht machen. Der Ort braucht dringend touristische Betten.‘ Da hab’ ich mir gedacht, gut, dann Betten, dann wird das Hotel eben komplett saniert.“

Dass Schweiger die nötigen Mittel hat, das denkmalgeschützte Gebäude instand zu setzen, daran zweifelt in Reutte niemand. Im Vorjahr erwirtschafteten er und sein Sohn Simon mit dem Autohaus über 100 Millionen Euro Umsatz. „Und heuer liegen wir in Teilbereichen schon jetzt im Juni über dem Gesamtjahresziel“, frohlockt er. Auch Verkäufer Edi Glätzle sieht dies so: „Ich bin froh, einen finanzstarken Käufer gefunden zu haben, der alles aus Liebe zum Haus und Reutte erwirbt und die notwendigen Investitionen durchführen kann. Ich bewundere auch die Tatkraft und Energie dieses Mannes mit 72 Jahren.“ Für Glätzle sei eine Zeit der Veränderung gekommen, er habe bereits eine Joboption, möchte aber nicht öffentlich darüber reden. Sein Dank gilt seiner Frau, „die mir trotz dreier Kinder all die Jahre so tatkräftig zur Seite gestanden ist“. Nun wolle er sich vor allem um die Familie kümmern, die er in letzter Zeit so vernachlässigt habe.

Einen exakten Übergabetermin gibt es nicht. „Edi Glätzle kann meinetwegen auch noch den ganzen Sommer offen halten, wenn ihm das etwas bringt“, so Schweiger. Der Umbau werde sicher erst im Jahr 2019 abgeschlossen werden können. Dann werde unter neuer Führung gestartet.

Hans Schweiger hat erst kürzlich, wie berichtet, das Reuttener Möbelhaus Lagg erworben, baut gerade 17 Einfamilienhäuser in Lechaschau und ist noch nicht lange neuer Besitzer des Gasthauses Mühler Hof in Mühl.