Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 20.06.2018


Bezirk Schwaz

Bauern setzten auf gute Partnerschaften

© DählingHermann Braunegger (Mitte) führte Hannes Partl (l.) und Josef Hechenberger gestern durch sein Lager, das voll mit Tiroler Produkten ist.



Seit Jahren rühren die bäuerlichen Vertreter die Werbetrommel für ihre Produkte aus der Region. Die Bewusstseinsbildung trägt inzwischen Früchte. „Das Verhalten der Konsumenten inklusive der Gastronomie hat sich auch zu unseren Gunsten verändert", sagt Hermann Braunegger. Sein vor 106 Jahren gegründeter Zillertaler Familienbetrieb ist Gastroservice- und Nahversorgungs-Experte und setzt ganz besonders auf Regionalität und damit auch auf Qualität. Rund 3500 Produkte des etwa 24.000 Produkte umfassenden Braunegger-Sortiments werden in Tirol hergestellt oder veredelt. Tiroler Produkte haben Vorrang. „Wir freuen uns immer besonders, wenn uns innovative Produzenten aus Tirol neue Waren vorstellen", sagt Braunegger. Milch werde ausschließlich von der ErlebnisSennerei Zillertal und der Tirol Milch angeboten. Selbst im tourismusstärksten Bezirk finde man damit das Auslangen. Das frische Gemüse stammt aus Thaur. „Kurze Anfahrtswege sind uns wichtig", sagt der Kaufmann, dessen Betrieb 1250 Kunden beliefert und jährlich rund 27 Mio. Euro Umsatz macht. Für Landwirtschaftskammerpräsident Josef Hechenberger und LK-Bezirksobmann Hannes Partl, die heuer „Vernetzung und Zusammenarbeit" in den Mittelpunkt ihrer Bezirkstouren stellen, sind Vernetzungen wie jene mit Braunegger wichtig: „Wir brauchen ehrliche Partner wie ihn."

Im Gegensatz zu den meisten anderen EU-Ländern wiesen die ländlichen Regionen Österreichs das höchste relative Wirtschaftswachstum auf. „Für einen pulsierenden ländlichen Raum brauchen wir eine flächendeckende, möglichst klein strukturierte Landwirtschaft", sagt Hechenberger. Während in Österreich im Jahr 2000 im Schnitt von jedem landwirtschaftlichen Betrieb 67 Personen ernährt wurden, seien es 2015 bereits 115 Personen gewesen. Tirol punkte mit Milch, Rindfleisch und Gemüse. Preisschlachten der Lebensmittelkonzerne mit Eigenmarken seien jedoch „ein Schlag ins Gesicht für bäuerliche Familien", ergänzt Partl und spricht von Wettbewerbsverzerrung. Hier werde oft minderwertige Qualität nicht österreichischer Herkunft unterpreisig angeboten. (ad)