Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 22.06.2018


Standort Tirol

Ketten, Preiskämpfe, Online: Möbelhandel stark gefordert

Tirols Möbelhändler setzen auf Qualität, Service und Innovationen.

© WKO



Innsbruck – Österreichs Möbelhandel ist hochkonzentriert: Die drei Großen am Markt (XXXLutz, Kika/Leiner und Ikea) halten zusammen 80 Prozent Marktanteil. Der Kampf der Großflächen werde mit Rabattschlachten geführt, das habe auch viele kleine Anbieter „aufgerieben und vernichtet“, sagt Tirols Handelsobmann Martin Wetscher. In Tirol, wo es mit einem Quadratmeter Verkaufsfläche pro Einwohner einen Europarekord gebe, hätten sich anders als in den meisten anderen Bundesländern aber „trotz Blut und Schweiß“ noch starke regionale Anbieter erfolgreich gehalten. „Wohnen ist eben keine normale Handelsware, sondern für sehr viele Identität und Wohnkultur, und da wird für Topqualität auch entsprechend Geld ausgegeben.“

Tirols Möbelhändler würden den Großen mit Qualität, Service, fachlicher Kompetenz, Schnelligkeit und guten Mitarbeitern Paroli bieten, sagen Stefan Föger und Hans Aufschnaiter. In Summe habe der Möbelhandel (inklusive Studios und hier tätigen Tischlern) 230 Firmen mit über 2600 Beschäftigten und 550 Mio. Euro Jahresumsatz, darunter die starken Platzhirsche Föger, Wetscher (haben je 130 Mitarbeiter) und Aufschnaiter (60 Beschäftigte). Dass es einen starken heimischen Möbelhandel gebe, sei nicht nur für die Konsumenten und etwa auch den Tourismus wichtig, sondern auch für die Mitarbeiter und die Lieferanten.

Eine große Herausforderung stelle auch die Digitalisierung dar. Hier werde sich im Handel vieles verändern, darauf sollte man laut Wetscher, Föger und Aufschnaiter sehr offensiv und innovativ reagieren. „Wie jede größere Veränderung ist das auch eine Chance.“

Mit Argusaugen hat die Branche auch die Turbulenzen rund um die Möbelkette Kika/Leiner und die bevorstehende Übernahme durch die Signa des Tiroler Immobilien-Tycoons und Investors René Benko beobachtet. Im Sinne der Beschäftigten und Lieferanten sei die Rettung wichtig, Benko sei für den gesamten Handel die bessere Lösung als ein Kauf durch den Marktführer XXXLutz oder der Einstieg eines deutschen Riesen. Zuletzt hatte sich die Unterzeichnung des Kaufvertrages durch Benko wegen offener Details einige Tage hinausgezögert, am Mittwochabend sollte es dann aber so weit sein. (va)




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