Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 26.06.2018


Exklusiv

Aufregung um Explorer-Hotels: Ermittlungen in St. Johann

Rund um einen Grundstücksdeal zwischen den Bergbahnen St. Johann und der Hotelkette Explorer ermittelt nun die Staatsanwaltschaft.

© Verena HoferDer einstige Kaufpreis für dieses Areal (Archivfoto) wirft Fragen auf: Inzwischen steht darauf ein Hotel.



Von Max Strozzi

St. Johann – Zwei Hotelprojekte der deutschen Explorer-Kette – in Umhausen und St. Johann in Tirol – hatten zuletzt mächtig Staub aufgewirbelt. Unter anderem ging es dabei um Grundstücks-Deals zwischen der Hotelkette und den jeweiligen Verkäufern. Denn in beiden Fällen wurden die Grundstücke deutlich unter ihrem tatsächlichen Verkehrswert an die Hotelkette verkauft – die TT berichtete.

In Fall von St. Johann hatten die Bergbahnen St. Johann im Jahr 2015 ein Grundstück, das ein Gutachter mit knapp mehr als einer Million Euro bewertete, um 483.230 Euro an die Hotelkette verkauft, also um weniger als die Hälfte. Damals standen die Bergbahnen noch mehrheitlich im Eigentum der Gemeinde St. Johann, des TVB Kitzbüheler Alpen und der Gemeinde Oberndorf, hinzu kamen noch Dutzende kleinere Gesellschafter.

Nun ermittelt in St. Johann die Staatsanwaltschaft Innsbruck, wie Sprecher Hansjörg Mayr der TT bestätigt. „Es wurde ein Ermittlungsverfahren eingeleitet wegen des Verdachts der Untreue. Das Verfahren richtet sich aber noch nicht gegen bestimmte Personen“, so Mayr.

In diesem Fall würde Untreue im Prinzip bedeuten, dass Gesellschafter der Bergbahnen durch einen unterpreisigen Verkauf geschädigt worden sein könnten. Bei einem Schaden von mehr als 300.000 Euro könnten sogar hohe Freiheitsstrafen drohen.

Auch in Umhausen will die Justiz näher hinschauen. Hier werde geprüft, ob man ein Ermittlungsverfahren einleitet, sagt Mayr. In Umhausen ging 2017 ein Areal im Wert von rund einer Million Euro um nur 73.500 Euro an die Explorer-Hotelkette. Verkäufer war ein Ötztaler Bauunternehmer und Landwirt. Zudem tauchten weitere Fragen auf. So gab Explorer gegenüber der TT an, den Grund als Freiland erworben zu haben, bei der Behörde wurde der Kauf als Bauland angezeigt. Auch eine Gesprächsnotiz über ein Treffen zwischen Verkäufer, Generalunternehmer, Gemeindevertreter und Explorer wurde öffentlich. Bei diesem Treffen wurde darüber diskutiert, nur einen Teil des Kaufpreises für das Grundstück im Kaufvertrag aufscheinen zu lassen und den größeren restlichen Betrag über den Generalunternehmer abzurechnen – Grundverkäufer und Generalunternehmer sind miteinander verwandt.

Die Causa Explorer beschäftigt im Auftrag der Oppositionsparteien auch den Landesrechnungshof. Der soll Hotel-Förderungen aus dem Impulspaket unter die Lupe nehmen.