Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 30.06.2018


Bezirk Landeck

Marktpartnerschaft für regionale Produkte boomt

19 bäuerliche Produzenten nutzen seit einem Jahr die Chance auf professionelle Vermarktung im Zammer Handelshaus Grissemann.

© GrissemannViel Freiheit in diesem modernen Stall in Faggen: 550 Eier kommen täglich auf den regionalen Markt.



Von Helmut Wenzel

Zams – Er ist aktiver Baue­r und zugleich Lebens­mittelgroßhändler in Zams: Für Thomas Walser ist Regionalität weit mehr als ein Lippenbekenntnis. „Warum müssen wir Rindfleisch aus Südamerika importieren, wenn wir das Produkt auch in unserer Region haben?“, fragt er sich. Vor diesem Hintergrund begann Walser vor Jahren, Partnerschaften mit bäuerlichen Produzenten im Oberland aufzubauen.

Nur sind in seinem Handelshaus in Zams-Ost hohe Qualitätsstandards gefragt. Etwa beim so genannten „Dry Aged Beef“, das vor allem die Gastronomie nachfragt. Das Know-how ist kein Geheimnis. Die Rinder müssen nach exakten Vorgaben gefüttert werden. „Am besten mit Getreide aus der Region, das wir aber leider noch nicht haben“, bemerkt er. „Der Rest ist ein Reifeprozess. Nach 28 Tagen Trocknung reift das Rindfleisch im hauseigenen Schlachthof und bekommt das nötige Qualitätsmerkmal.“

Besiegeln regionale Partnerschaften: Peter Krug, Julia Spöttl, Geschäftsführer Thomas Walser (v. l.)
- Wenzel

Im vergangenen Jahr hat das Handelshaus Verträge mit 19 bäuerlichen Produzenten im Oberland besiegelt und 250 Produkte aufgenommen. Die Palette reicht von Almkäse über Butter, Honig, Eier, Nudeln, Kartoffeln, Zwiebeln, Spargel bis hin zu Enten, Weide­gänsen und Eisspezialitäten. Für die Aufzucht der Weidegans konnten zum Beispiel zwei Betriebe gefunden werden – in Kappl und am Haiminger Berg. Der Eierlieferant ist ein Partnerbetrieb in Faggen. Dieser hat in eine moderne Anlage für artgerechte Hühnerhaltung investiert. Von dort kommen täglich und ganzjährig 550 Eier auf den Marktplatz im Zammer Handelshaus. Zudem liefert der Faggner Partner auch Eierlikör und Hartweizengrießnudeln.

Walser garantiert den überwiegend kleinen bäuerlichen Betrieben fixe Preise und kauft bestimmte Mengen ab. Dafür müssen die Produkte „marktfähig“ sein. Dass Partnerschaften mit den regionalen Produzenten auch ein Risiko sein können, nimmt er in Kauf. „Wir haben viele Versuche und auch Fehlversuche hinter uns, bis mit einem Produkt alles rundläuft“, resümiert der Kaufmann.

Es gibt auch einen speziellen Anlass für die Zwischenbilanz: Seit einem Jahr ist Julia Spöttl als Koordinatorin für das regionale Sortiment im Großhandelsbetrieb tätig. Ihr Arbeitsplatz ist über das Land­ecker Regional­management regioL gefördert worden.

Metzgereichef Reinhard Amon setzt hohe Qualitätsmaßstäbe beim heimischen Rindfleisch an.
- Grissemann



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