Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 04.07.2018


Exklusiv

Kitzbüheler Bergbahn-Streit: „Unappetitliches Verhalten“

Kitzbühels BM und Bergbahn-Chef Winkler kritisiert das Schweigen der Liechtensteiner Meleda und attackiert dessen Vertreter, Alt-BM Wendling.

© www.muehlanger.atIn Kitzbühel geht es rund. Auch BM Winkler als Aufsichtsratschef der Bergbahnen kennt die Eigner des langjährigen Aktionärs Meleda nicht.Fotos: Böhm, Mühlanger



Von Max Strozzi

Kitzbühel – Der Streit zwischen den Bergbahnen Kitzbühel und ihrem mit mehr als 31,85 Prozent zweitgrößten Aktionär, der in Liechtenstein ansässigen Meleda Anstalt, eskaliert. Wie berichtet, haben die Bergbahnen ihren jahrelangen Großaktionär verklagt, weil sie gesetzlich dazu verpflichtet wurden, die Namen der Eigentümer hinter der Briefkastenfirma bekannt zu geben. Ohne Kenntnis der Meleda-Begünstigten, so warnt zumindest Bergbahnen-Vorstandschef Josef Burger, drohen den Bergbahnen „ernsthafte Finanzierungsstörungen bis hin zum Finanzierungsstopp“, weil Banken den Geldhahn zudrehen müssten, wenn sie die tatsächlichen Eigentümer nicht kennen. Wie es scheint, weiß selbst die Bergbahnführung nicht, wem fast ein Drittel der hauptsächlich im Eigentum der Stadt (49,9 Prozent) und damit in öffentlicher Hand befindlichen Seilbahnen tatsächlich gehört.

Kitzbühels Bürgermeister Klaus Winkler, als solcher seit zehn Jahren Aufsichtsratschef der Bergbahnen, erklärt gegenüber der TT, nicht zu wissen, wer eigentlich hinter dem Großaktionär Meleda steckt. „Welches Aktiengeschäft dieser Beteiligung zugrunde liegt, ist der Stadtgemeinde Kitzbühel nicht bekannt, jedenfalls nicht in der Zeit, in der ich ab 2004 Bürgermeister der Stadt Kitzbühel bin“, so Winkler. „Nachdem erst durch das Gesellschaftsrechtsänderungsgesetz 2011 Inhaberaktien auf Namensaktien umzustellen waren, lässt sich das Engagement der Meleda Anstalt nicht nachvollziehen.“

Dass Meleda sich weigert, die Namen der Eigentümer zu nennen, stelle ein „unappetitliches und unwürdiges Verhalten“ eines Gesellschafters und der dahinterstehenden Personen dar, kritisiert Winkler. Die finanzielle Situation der Bergbahn sei zwar „hervorragend“, meint er: „Klar ist aber auch, dass durch die unverantwortliche Position der Meleda Anstalt und ihrer Vertreter negative Konsequenzen drohen, indem die Finanzierungskosten steigen könnten.“

Damit attackiert er Alt-BM Horst Wendling, der bis vor Kurzem Meleda im Aufsichtsrat vertrat. Es sei „bedenklich, dass dieser Aufsichtsrat schon länger zurückreichend trotz mehrfacher und wiederholter Anfragen und schließlich sogar in der Hauptversammlung beharrlich schweigt, müsste er doch als Vertreter am besten wissen, welche Geschäfte, Personen und schließlich Motivationen hinter diesem Aktien­paket stecken“, so Winkler.

Gegenüber der TT hatte Wendling dagegen erklärt, es sei gar nicht das Gespräch mit ihm gesucht worden.

Winkler findet es wiederum „bemerkenswert“, dass der Meleda-Einstieg „auf eine Zeit zurückgehe, in der Ex-Bürgermeister Horst Wendling Aufsichtsratsvorsitzender der Bergbahn war“.