Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 11.07.2018


Bezirk Landeck

„Schotterwüste“ beim GKI stört Anrainer

In Ried gibt es Kritik an den kargen Schotterflächen beim Krafthaus des Gemeinschaftskraftwerks Inn. Laut Tiwag wird noch bepflanzt.

© ReichleDerzeit ein karger Anblick: der Bereich oberhalb des Unterwasserkanals beim GKI.Foto: Reichle



Von Matthias Reichle

Ried, Prutz – Eine große Schotterfläche, aus der da und dort kahle Baumstümpfe ragen – die Fläche vor dem Krafthaus zum Gemeinschaftskraftwerk Inn zwischen Ried und Prutz, dem größten Kraftwerksprojekt Tirols, schaut derzeit wie eine Wüstenlandschaft aus. „Als wäre da eine große Deponie für den Stollenaushub“, kritisiert ein Anrainer, der anonym bleiben möchte, gegenüber der TT. Viele in Ried seien derzeit verunsichert, ob der Bereich des Unterwasserkanals dort, wo das Innwasser vom Krafthaus zurück in den Fluss geleitet wird, so bleibt. Vor allem weil er sich in direkter Nachbarschaft zum Naherholungsgebiet am Rieder Badesee und zu den Schulen befindet und vom Radweg gut einsehbar ist.

„Mir gefällt es auch nicht“, gesteht der Rieder Bürgermeister Elmar Handle, der diese Kritikpunkte kennt. „Wir haben auch mehrere Anfragen bekommen.“ Man müsse schauen, wie es fertig aussehe, so der Dorfchef. Es hätte bereits Gespräche mit der Gemeinschaftskraftwerk Inn GmbH gegeben – dabei habe man allerdings auf den UVP-Bescheid verwiesen, der auszuführen sei.

Das bestätigt gestern Tiwag-Vorstandsvorsitzender Johann Herdina auf Anfrage der TT. Fügt aber gleich hinzu, dass es sich um ein „Zwischenbaustadium“ handle und nicht so bleibe, als sei es eine „Motocross-Strecke“. „Der Bereich wird bepflanzt und begrünt, aber erst im Herbst. Das geht im heißen Sommer nicht.“ Die Renaturierung wurde im Bescheid als ökologische Begleitmaßnahme festgelegt. Man müsse sich strikt daran halten, so Herdina weiter.

Ein Blick in den Bescheid offenbart die Details. Demnach sollen auf einer Fläche von 2,8 Hektar wieder „naturnahe Verhältnisse“ hergestellt werden. Übrig bleibt das Betriebsgebäude mit einer Manövrierfläche, die frei bleibt, der Rest werde „rekultiviert und bepflanzt“.

Beim Unterwasserkanal, wo eine Breite von 40 Metern gerodet werden musste, soll angrenzend an die bestehenden Auwaldbereiche eine dichte Bepflanzung mit Sträuchern und Grauerlen erfolgen. „Die Rekultivierung des Standortes erfolgt mit unregelmäßiger Geländegestaltung, Strukturierung durch Wurzelstöcke, Asthaufen und Initialpflanzung mit standortgerechten Gehölzen.“

Laut Handle gibt es derzeit in Ried Überlegungen für eine neue Freizeitanlage. Mancher habe in diesem Zusammenhang bessere Ideen für die Nutzung der Flächen am Fluss. Auch Herdina bestätigt Gespräche in diese Richtung. Zunächst sei aber der Bescheid zu erfüllen. Eine Abänderung ist mit einem erheblichen Aufwand verbunden. „Vielleicht findet man danach eine schönere Nutzung.“ Seitens der Umweltabteilung des Landes bestätigt man, dass die UVP-Bescheide einzuhalten seien. Gerade beim Areal rund um das Krafthaus handle es sich um einen „sensiblen Bereich“, über den lange diskutiert wurde. Durch den Bau sei ein Teil des Auwaldes verlorengegangen. Für allfällige neue Projekte müsse man Ersatzflächen finden.