Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 13.07.2018


Bezirk Schwaz

Gesunde Kost für schnelle Genesung

Sie darf klein und krumm sein, muss aber schmackhaft und aus der Region sein: die Gurke, die mitsamt anderem Obst und Gemüse aus heimischer Landwirtschaft im Schwazer Spital auf den Teller kommt.

© BauernbundLHStv. Josef Geisler, Heidi Klappacher (Mitarbeiterin in der Krankenhausküche), LA Kathrin Kaltenhauser, Andreas Walch (Küchenchef-Stv.), GF Margit Holzhammer und Verbandsobmann BM Franz Hauser (v. l.) rührten im Bezirkskrankenhaus die Werbetrommel.



Schwaz – In der Betriebsküche des Bezirkskrankenhauses Schwaz wird jeden Tag groß aufgekocht. Bis zu 270 Patienten, Kinder, Mitarbeiter und Krankenpflegeschüler gilt es zu versorgen – in Summe werden rund 900 Essen gekocht. „Es war uns dabei von Anfang an wichtig, Erzeugnisse aus der Region zu verkochen“, sagt Krankenhausverbands­obmann BM Franz Hauser aus Schwendau. „Wenn wir es im öffentlichen Bereich nicht schaffen, heimische Produkte zu verwenden, dann dürfen wir das nicht von Privatpersonen verlangen. Deswegen ist es uns sehr wichtig, hier ein deutliches Zeichen zu setzen“, bekräftigt er.

Vier Köche mit 15 Mitarbeitern sorgen sich um das kulinarische Wohlergehen der Menschen im Haus. „Auf unseren Tellern finden sie vom Zillertaler Krapfen bis zum Gemüsestrudel alles, was das Herz begehrt. Dabei beziehen wir so viel wie möglich aus dem Bezirk. Wenn es im Bezirk etwas nicht geben sollte, dann schauen wir in anderen Bezirken und anderen österreichischen Bundesländern, ob es dort diese Lebensmittel gibt“, erklärt Geschäftsführerin Margit Holzhammer die Essensphilosophie im Haus. Das sei mit einem nicht unerheblichen Mehraufwand für die Küchenleitung verbunden. Doch das sei es wert, zumal das Schwazer Spital heuer ein Klimabündnis-Krankenhaus wird. „Unsere Küchenleitung hat sich dazu entschieden, beim Karakter-Ernte-Projekt teilzunehmen – das heißt, dass wir in unserer Küche auch Gemüse und Obst verarbeiten, das nicht den genormten Maßen entspricht, aber dennoch sämtliche Qualitätsstandards erfüllt“, erklärt Holzhammer.

Die Schüler der Pflegeschule bekommen das Essen im Krankenhaus kostenfrei zur Verfügung gestellt: „Damit sich die jungen Menschen gesund ernähren können und nicht in der knappen Mittagspause auf eine Wurstsemmel zurückgreifen müssen“, heißt es von Seiten der Krankenhausleitung.

LA Kathrin Kaltenhauser und LHStv. Josef Geisler waren gestern im Krankenhaus, um die vorbildlichen Kooperationspartner der heimischen Landwirtschaft vor den Vorhang zu bitten: „Wir haben in Tirol ca. 100 öffentliche Großküchen in Krankenhäusern, Seniorenwohnheimen etc. und es freut mich sehr, dass ein Großteil dieser Küchen bereits bei unserem Projekt ,bewusst Tirol‘ dabei ist“, sagt Geisler als Obmann der Agrarmarketing Tirol. Diese Küchen greifen bewusst zum regionalen Produkt und lassen sich dabei freiwillig überprüfen. „Allein die Tilak kocht täglich 6000 Essen – diese Dimensionen zeigen, welchen Stellenwert es hat, dass hier heimische Produkte verwendet werden“, sagt Geisler. LA Kathrin Kaltenhauser ergänzt: „Wenn es um die Würde des Menschen geht, dann hat das Essen einen besonderen Stellenwert. Zudem wird durch die Verwendung regionaler Produkte auch die Wertschöpfung in der Region behalten.“

Geisler nahm aber auch die heimische Landwirtschaft in die Pflicht: „Wir müssen es noch besser lernen, unsere Produkte so anzubieten, wie sie der Markt braucht. Eine Großküche wird mit einem ganzen Käselaib wenig anfangen können. Es ist daher auch wichtig, Produkte so zu portionieren, wie sie die Konsumenten brauchen.“ (TT, ad)