Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 14.07.2018


Bezirk Kufstein

Konjunktur lässt Bauherren schwitzen

Die Baustufe 4 der Kufsteiner Fachhochschule kommt mit 11,5 Millionen Euro um 15 Prozent teurer als geplant. Schuld daran ist die brummende Konjunktur, wie von den Verantwortlichen beteuert wird.

© Auböck + Kárász, Henke SchreieckSo soll nach Entwürfen der Planer die Ausbaustufe aussehen.



Von Wolfgang Otter

Kufstein – Wenn am Montag die Häuschen und Sitzgarnituren für das traditionelle Weinfest der Kufsteiner mit ihren Partnerstädten im Stadtpark weggeräumt sind, fahren die Baumaschinen auf. Dann beginnt die Realisierung der Baustufe 4 der Kufsteiner Fachhochschule. Im Gebäude wird es mehr Räume für die Studierenden geben, aber auch ein WC, eine Bibliothek und einen Turnsaal für die Öffentlichkeit. Aber irgendwie scheint es etwas verhext mit dieser Ausbaustufe zu sein. Zuerst gab es massive Proteste aus der Bevölkerung gegen den Bau im Kufsteiner Stadtpark. Und jetzt steht bereits fest, dass das mit eigentlich zehn Millionen Euro veranschlagte Bauwerk um rund 15 Prozent teurer kommt – also an die 11,5 Millionen Euro kosten dürfte. Geschuldet sei dies, so Bernhard Eidherr von der Fachhochschul Errichtungs- und Betriebs GmbH, der guten Baukonjunktur. Wobei Baukosten immer mit Unsicherheiten behaftet seien. „Wir haben überlegt, was wir einsparen können, es ist aber die Entscheidung gefallen, dass wir die Fläche nicht reduzieren“, sagt Eidherr auf Anfrage der TT. „Wir können den Turnsaal nicht kleiner machen, auch nicht das WC. Die Ausbaustufe ist auch im Endeffekt so geplant, wie wir sie benötigen“, betont Eidherr. Wo aber die Kosten verringert werden, sei bei der Ausführung der Fassade, „wir haben kein Stahltragwerk vorgesehen, sondern arbeiten mit Säulen, das hat eine große Einsparung gebracht und ist eine vertretbare Veränderung.“

Die weitere Entwicklung werde man genau im Auge behalten und: „Wir werden während des Baus schauen, ob etwas auch einfacher gestaltet werden kann.“ Als letzte Stellschraube bleibe auch zuletzt „die Einrichtung“, wie Eidherr erklärt.

Die Kosten des Projektes werden übrigens zwischen Land Tirol, Fachhochschule und Stadt Kufstein gedrittelt. Sie übernehmen damit auch je 500.000 Euro der Mehrkosten. Laut Bürgermeister Martin Krumschnabel habe man bereits in der mittelfristigen Finanzplanung „den Beitrag höher eingerechnet“, wie der Stadtchef erklärt. Die Mehrkosten betragen daher an die 200.000 bis 300.000 Euro. „Aber es wird vermutlich bei allen Bauvorhaben so sein, dass die Preise, die wir bislang für noch möglich gehalten haben, aufgrund der überhitzten Konjunktur nicht gehalten werden können“, befürchtet Krumschnabel. Zudem sei der Wettbewerb nicht mehr so groß, wie der Bürgermeister weiß, mit der Folge, dass sich auf Ausschreibungen weniger Firmen melden. „Ich warte jetzt auf den anderen Effekt, nämlich dass sich die Konjunktur in den Steuereinnahmen niederschlägt“, so Krumschnabel, der auf höhere Abgabenertragsanteile des Bundes hofft.

Wenn also am Montag die Bauarbeiten beginnen, werden als erste Maßnahmen das Ausheben und die Sicherung der Baugrube für den tiefliegenden Turnsaal zwischen dem Parkcafé und dem ersten Bauteil der Fachhochschule durchgeführt, wie die Bauherren mitteilen. Die dort befindliche Solarblume wird vorübergehend die Anlagen zur Energieerzeugung der Familie Labek auf Gut Aigen am Thierberg ergänzen. Der Abstellplatz für Fahrräder rückt näher an den Mittelteil des FH-Gesamtgebäudes. Zur Fertigstellung des Baus wird er dann hinter dem neuen Gebäude auf der Seite Richtung Prof.-Sinwel-Weg aufgestellt.

„Der Rohbau wird nach dem Winter 2018/19 stehen, dann kann der Innenausbau beginnen. Im Frühjahr 2020 eröffnet der neu gestaltete Stadtpark dann gemeinsam mit dem Neubau“, so der Vorstandsvorsitzende der FH Kufstein Tirol-Privatstiftung, Herbert Marschitz, in einer Aussendung. Mit der Neugestaltung des Stadtparks entsteht eine leicht hügelige Ruhezone, die zum Verweilen einladen soll. Der Kinderspielplatz wird um einen direkt angrenzenden Wasserspielplatz erweitert. An der dem Stadtpark zugewandten Seite der FH – an der Ecke zur Krankenhausgasse – soll im September eine neue Boulder-Kletterwand stehen, wie seitens der Fachhochschule aufgezählt wird. Ebenfalls ab September bekommt die Tiefgarage im Stadtpark eine neue Fahrtrichtung. Die neue Einfahrt befindet sich dann in der Krankenhausgasse unterhalb der Musikschule, die Ausfahrt führt dann auf die Andreas-Hofer-Straße. „Wir werden alles unternehmen, um auch während der Bauzeit einen reibungslosen Ablauf aller Veranstaltungen im Stadtpark zu gewährleisten“, verspricht Eidherr.