Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 14.07.2018


Standort Tirol

„Leuchtturm auf Schiene“: Zillertal gibt Wasserstoff

Die Zillertalbahn wird ab 2020 zur ersten Schmalspurbahn der Welt mit Wasserstoffantrieb. Mit dem Verbund wurden die Verträge unterzeichnet.

© ZVBIm Herbst werden bei der Schweizer Stadler Rail die speziell gefertigten Triebfahrzeuge bestellt, der erste Zug wird 2020 geliefert.



Mayrhofen – Im Zillertal war die Entscheidung nicht unumstritten, manche zweifelten auch an der Umsetzbarkeit und dem Wirkungsgrad. Jetzt sind die Würfel aber gefallen, die Zillertalbahn setzt künftig ganz auf einen Wasserstoffantrieb – und ist damit weltweiter Pionier. Für die Wasserstoffversorgung haben nun Zillertaler Verkehrsbetriebe (ZVB) und Österreichs größter Stromkonzern Verbund eine Kooperationsvereinbarung abgeschlossen.

Die Erzeugung des „grünen“ Wasserstoffs durch die Tochter Verbund Hydro Power (VHP) ist in einer Elektrolyseanlage in der Nähe des Bahnhofes Mayrhofen geplant, von wo aus die Übergabe an die Zillertaler Verkehrsbetriebe (ZVB) für die Speicherung und Betankung der Züge erfolgen soll. Der Strom komme von den nahegelegenen Wasserkraftwerken des Verbunds im Zillertal. In der Brennstoffzelle der Züge wird der Wasserstoff in Strom umgewandelt, der die konventionellen Elektromotoren antreibt. Das Investitionsvolumen für die gesamte Wasserstoff-Infrastruktur in Mayrhofen liegt bei etwa 15 Mio. Euro.

„Wir gehen gemeinsam ein großes Zukunftsprojekt an. Das erklärte Ziel ist die Erzeugung von ,grünem‘ Wasserstoff als Treibstoff für die Zillertalbahn. Damit leisten wir wichtige Pionierarbeit für Österreich und weit darüber hinaus“, sagt Verbund-Generaldirektor Wolfgang Anzengruber. Mit Wasserstoff überhole man eine Elektrifizierung, für die sonst wieder Leitungen nötig wären. In einem Großprojekt arbeitet man zurzeit auch an einer Wasserstoff-Umstellung bei der Voestalpine in Linz.

Die Verträge sind unterschrieben (von links): LHStv. Josef Geisler, Verbund-Chef Wolfgang Anzengruber und Franz Hörl.
- ZVB

ZVB-Aufsichtsratsvorsitzender Franz Hörl sieht einen Meilenstein erreicht: „Die Vision wird Realität. 2020 wird der erste Prototyp emissionsfrei und nahezu lautlos von Mayrhofen nach Jenbach fahren.“ Dann starte der Probebetrieb, ehe ab Dezember 2022 dann ausschließlich Wasserstoffzüge auf der 32 Kilometer langen Bahnstrecke zwischen Jenbach und Mayrhofen unterwegs sein würden. Auch die Fahrzeit soll kürzer werden.

Derzeit fährt die Zillertalbahn noch mit Diesel. Der Wasserstoffantrieb sei um 20 bis 30 Prozent billiger. Jährlich würden rund 800.000 Liter Diesel ersetzt und so 2160 Tonnen CO2 eingespart, so Hörl, der entgegen seinem Image im Parlament auch als stellvertretender Obmann des Umweltausschusses fungiert.

Tirols LHStv. Josef Geisler gratuliert Zillertalern und Verbund zum „mutigen Wagnis“, hier auf eine zukunftsträchtige und dezentrale Lösung zu setzen, die Tirol auch ein Stück weiter zur Erreichung der Klimaziele bringen werde. Im Zillertal werde „ein Leuchtturm auf Schiene“ entstehen, der international für großes Aufsehen sorgen werde, so Geisler. Zug um Zug solle weiterer öffentlicher Verkehr im Tal auf Wasserstoff umgestellt werden. (va)