Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 16.07.2018


Innsbruck

Hauben-Lokal “Schöneck“: Ein neuer Start nach dem Konkurs

Seit einigen Wochen ist klar, dass das 2-Hauben-Lokal von Alfred Miller weitergeführt wird – und er das auch will.

© StegmayrSpitzenkoch Alfred Miller an seinem Lieblingsplatz im „Schöneck“, den er selbst „Chefplatz“ nennt.Foto: Stegmayr



Von Markus Stegmayr

Innsbruck – Die insgesamt 18 Jahre sind eine sehr lange Zeit. So lange ist Alfred Miller jetzt schon in seinem „Schöneck“, das er gerne als Heimat bezeichnet. Im Juli 2001 wurde es nach einem vorangegangenen dreivierteljährigen und sehr aufwändigen Umbau eröffnet. „Vorher war es eine wilde Studentenkneipe“, sagt Miller und schmunzelt, wenn er auf die Anfänge blickt.

„Die WCs sind so wild gewesen, dass nicht einmal ich sie benutzt hätte“, schiebt er nach und lächelt. Wehmütig und gleichzeitig pragmatisch klingt er hingegen, wenn er über die Zukunft seines Lokals spricht: „Zwei Jahre muss ich es noch machen, um die Konkurs-Quote zu erfüllen“, meint er. Dass er überhaupt weitermachen kann, verdankt einer der höchstdekorierten Köche Innsbrucks dem Insolvenzverwalter. Dieser habe sehr schnell gesehen, dass „hier heroben Gas gegeben wird“ und dass effizient gearbeitet werde. Konsequenzen für die nächste Zeit gibt es dennoch, etwa weniger Personal und eine etwas einfachere Karte. Am Grundkonzept möchte der nunmehr fast 70-jährige Miller aber nichts verändern. „Es ist ein Wirtshaus, bei dem ich als Wirt anschaffe“, sagt er mit einem leicht schelmischen Grinsen und es erscheint doch bierernst.

Damit meine er aber nicht etwaige diktatorische Strenge im Umgang mit seinem Personal, sondern die Fokussierung auf das Wirt-Sein. „Bei uns wird jeder mit einem Handschlag begrüßt und ich plaudere auch sehr gerne mit den Gästen“, gibt Miller Einblicke in sein Wirtshausverständnis. Als Wirt hat er auch stets einen strengen und kritischen Blick auf seine Heimat. Er sehe jede Spinnwebe und nehme das große Ganze wahr, meint er. Als Wirt obliege es ihm auch, dass er den Gästen bestimmte Gerichte explizit empfehle.

Seine Kochleidenschaft hat Miller dabei trotz der zu zahlenden Konkurs-Quoten und fortgeschrittenen Alters nicht verloren. Höchste Qualität, keine Convenience-Produkte und nichts Tiefgekühltes gibt er als nach wie vor geltendes Dogma an. Rost- und Schweinsbraten werden auch in Zukunft auf Gerichte der Gourmet-Küche treffen. „Aber wir wollen kein Tupferlgeschäft“, erteilt Miller der allzu feinen Gourmet-Küche eine deutliche Absage. „Der Gast soll bei uns auch satt werden“, stellt er unmissverständlich klar.

Dann setzt er sich auf seinen „Chefplatz“ an der Bar, schenkt sich ein Glas Weißwein ein und bietet den Anwesenden ein Gläschen an. Er wirkt etwas müde, aber zufrieden. Auch nach den zwei Jahren möchte er nicht ganz aufhören. „Vielleicht mache ich dann noch für reservierte Gruppen weiter oder ich gebe wieder Kochkurse“, führt er aus. Danach schweigt er und nimmt einen Schluck aus seinem Weißweinglas.